»Gagagagag, gagagei,« schrie es auf einmal neben ihm. Ein kleines, schwarzes Huhn stand da und schaute mit schief geneigtem Kopf zu ihm hin.
»Das ist der kleine Teufel, den Heine Peterle mitgebracht hat,« dachte er und griff unwillkürlich nach dem Huhn. Das kreischte und schlug mit den Flügeln um sich; aber Friede hatte gar geschwind zugepackt, und das Teufelchen konnte nicht mehr ausreißen.
»Es ist aus Oberheudorf.« Weiter überlegte Friede nichts; wie ein Stück Heimat erschien ihm das schwarze Tierchen. Und sachte, liebevoll streichelte er es. »Du bleibst bei mir,« tröstete er. Gewiß hatte Fräulein Wunderlich den Teufel auch hinausgeworfen wie ihn selbst. Er trug das Huhn zu dem Gärtner, der auch ein paar Hühner hatte und den schwarzen Gast aus Oberheudorf bereitwillig aufnahm.
Friede Hopserling war unterdessen sehr eilig, immer brummend und knurrend durch die Stadt gefahren und hatte endlich die Landstraße erreicht. »Nun paßt ordentlich auf, ihr drei,« gebot er, »irgendwo im Weggraben werden sie schon sitzen.«
Heine Peterle und die Mädel hatten das Weinen aufgegeben. Alle drei hielten so eifrig Umschau, daß erst Annchen Amsee einen Meilenstein für Fritz und dann Heine Peterle einen Baumstumpf für Schulzens Jakob hielt. Aber sie erreichten Wiesental, ohne eine Spur der Vermißten zu finden, und Friede Hopserling schaute immer sorgenvoller drein, obgleich er tat, als wären ihm die Buben höchst gleichgültig. In Wiesental mußte er erst dreimal fragen, ehe jemand ihm Auskunft geben konnte. Eine alte Frau endlich sagte, sie habe die beiden gesehen und ihnen die Straße nach dem nächsten Dorf gezeigt.
Es dämmerte schon, als der Wagen wieder zu dem Dorf hinausrollte. Ein feines Grau verhüllte die Ferne, und in dem Wald, an dessen Rand jetzt die Landstraße hinlief, herrschte bereits ein geheimnisvolles Dunkel. »Nun wird's gar schon dunkel,« grollte der Knecht. »Am Ende sind gar die verflixten Buben durch den Wald gelaufen; na denen will ich's heimzahlen.« Er ließ wütend die Peitsche durch die Luft sausen, und zu seinem großen Erstaunen schrie die Luft laut auf. »So was,« rief Friede Hopserling verdutzt, »der Schrei kam doch von oben!«
»Da hängen ein paar Beine,« quiekte Annchen Amsee und deutete auf eine hohe, noch kahle Kastanie, die hier einsam unter Kirschbäumen an der Landstraße stand. »Das sind Fritzens Beine!«
»Sie sind's, sie sind's!« riefen jauchzend Heine Peterle und Mariandel. Wirklich tauchte Schulzens Jakob aus dem Straßengraben auf, Schnipfelbauers Fritz aber zappelte noch in den Ästen der Kastanie hin und her. Endlich kam er mit zerrissenen Hosen unten an.
»Nicht hauen,« flehten Annchen und Mariandel und hielten Friede Hopserling beide Arme fest, »nicht hauen, bitte nicht!«