Der Knecht sah aber auch wirklich sehr grimmig aus, und Fritz und Jakob rutschten vor Angst wieder in den Straßengraben hinein. Von dort aus erzählten sie klagend ihre Erlebnisse.
»So, Schaden habt ihr angerichtet?« rief Friede, aber er sah lange nicht mehr so böse aus. Die beiden taten ihm schon leid; er dachte, sie hätten mit ihrer ausgestandenen Angst Strafe genug gehabt. »Steigt nun mal ein,« brummte er, »hoffentlich habt ihr nicht zu viel zerbrochen, denn was kaput ist, müßt ihr bezahlen, das hilft nun nichts.«
»Dann hätten wir ja gar nicht erst – – huhu – – auszureißen brauchen,« schluchzte Jakob.
»Nä, war auch gar nicht nötig. Ausreißen nutzt nie nischt. 'n ehrlicher Mann zahlt den Schaden, den er macht, damit basta. Jetzt hört mit der Heulerei auf, 's wird schon nicht so schlimm sein. Bei uns ist mal ein Mann vom Speicher gefallen, da dachten alle, er wäre tot, und dabei war er gar nicht runtergefallen, sondern 'n Mehlsack.« Mit dieser tröstlichen Erzählung beruhigte Friede die beiden Schelme wenigstens so weit, daß sie das Heulen aufgaben und nach ihren Eßbündeln griffen. Die Kinder schmausten, aßen sich plumssatt, schwatzten eine Weile, schilderten sich ihre ausgestandene Angst, schalten weidlich auf Herrn Schulz, der ihrer Meinung nach an allem schuld war, und dann schliefen sie ein. Sie lagen alle fünf im Wagen und schliefen so fest und süß wie daheim in ihren Betten, und Friede Hopserling brummte schmunzelnd: »Na, 's ist gerade, als hätte ich wieder Mehlsäcke geladen.« Er lud dann jeden kleinen lebendigen Mehlsack vor dem rechten Hause ab, und nur Annchen Amsee wurde so weit munter, um ein »Danke schön« sagen zu können. Wer dachte, er bekäme noch etwas von der Stadtfahrt erzählt, der irrte sich gewaltig, kein Wörtlein sagten die fünf Kinder an diesem Abend mehr. Doch die Erwachsenen trösteten sich und meinten: »Morgen werden sie schon schwatzen, mehr als man vertragen kann.«
Verkehrte Gedanken.
An dem Tage nach der Stadtfahrt der fünf Oberheudorfer Kinder dachten in Feldburg und Oberheudorf allerlei Leute allerlei Sachen, die nicht eintrafen. Wie es so geht, Schulzens Jakob und Schnipfelbauers Fritz dachten, es würde niemand etwas merken von dem, was sie in der Stadt angerichtet hatten, und dabei sagte jede Mutter gleich am frühen Morgen zu ihrem Buben: »Sag mal, was hast du nur getan? Du hast ja ein so schlechtes Gewissen.«
Was Mütter auch immer alles sehen und wissen! Den beiden blieb nichts anderes übrig, als ihre Untat zu bekennen. Die Mütter schalten zwar nicht sehr, aber beide sagten: »Bezahlt muß werden, das hilft nichts, und wenn die Sparbüchse ganz leer wird.« Dies klang den Buben gar bitter in den Ohren. Nachher in der Schule vergaßen sie zwar ihren Jammer rasch, denn es war zu schön, von der Stadt zu erzählen. Ordentlich protzig kamen die fünf an und sagten: »Wir haben aber viel gesehen!« Und als die andern schrieen: »Erzählt, erzählt! Wie war's?« da sahen die Buben die Mädel an und die Mädel die Buben, sie nickten und blinkerten sich zu und taten so wichtig und geheimnisvoll, daß die andern vor Neugier fast platzten. Zu schön war dies, so schön, daß Heine Peterle und Annchen Amsee dachten: »Heute wird der Herr Lehrer über ein bißchen Plappern in der Stunde nicht schelten.« Oh, das war aber falsch gedacht! Er schalt sogar sehr, und Annchen Amsee bekam wirklich eine Strafarbeit und Heine Peterle beinahe eine.