»Gepfiffen?« Friede sah die Verkäuferin sehr erstaunt an, und diese merkte schnell, der Bube ahnte nichts. Ihr Gesicht hellte sich etwas auf, und sie erzählte den Streich, den Jakob und Fritz ihr gespielt hatten. Während sie erzählte, konnte Friede sich nicht helfen, er mußte ein wenig lachen, und dabei kam die Geschichte auch dem Fräulein auf einmal mehr lächerlich als ernsthaft vor, und zuletzt lachten sie beide ganz fröhlich und herzlich. Als Friede ihr sagte, seine Gefährten seien ausgerissen, gewiß vor Angst, rief sie sogar mitleidig: »Schreib es ihnen doch, es wäre nichts kaput gegangen, es sind nur ein paar Nickelbretter umgefallen, das hat freilich schrecklich gepoltert und geklirrt.«

In guter Freundschaft trennte sich Friede, nachdem er seine Botschaft ausgerichtet hatte, von dem Fräulein, und als er wieder auf der Straße stand und ihm die Frühlingsluft so mild um die Nase wehte, bekam er Lust, spazieren zu gehen. Er hatte Zeit, und im Spiegelhaus schalt niemand, wenn er später heimkam. Der Professor ermahnte ihn ja selbst manchmal: »Lauf hinaus, sieh dich in der Stadt um! Man muß mit offenen Augen durch die Welt gehen!«

Das tat Friede auch an diesem Tage. Er lief durch allerlei Straßen, die er noch nicht kannte, und schaute sich ganz ernsthaft die Häuser an und auch die Menschen, die an ihm vorübergingen. Dabei empfand er wieder so recht, wie einsam er doch in der Stadt war. In Oberheudorf hatte er jeden gekannt, dem er auf der Straße begegnet war. Unwillkürlich schlug er in seinen sehnsüchtigen Gedanken den Weg ein, der nach Oberheudorf führen sollte. Dabei kam er auch an einer langen, grauen Gartenmauer vorbei, und wie er so dahinging, fühlte er auf einmal einen Ruck an seiner Mütze, und zu seinem maßlosen Erstaunen sah er diese durch die Luft entschwinden.

»Meine Mütze,« schrie er erschrocken, und in diesem Augenblick tauchte ein sehr verlegenes Gesichtchen über der Mauer auf. Das Füchslein war es, das rief bittend: »Ach du, ich dachte mein Bruder wär's, nun habe ich deine Mütze geangelt.«

»Geangelt?« Friede riß seine Augen weit auf, und er sah so erstaunt drein, daß Marianne Sonntag kichernd sagte: »Aber jetzt machst du ein dummes Gesicht, und Ulli meint doch, du seist klug!«

Friede wurde blutrot und brummte ein wenig beschämt: »Das ist doch aber auch komisch, Mützen zu angeln.«

Das Füchslein war jetzt ganz auf die Mauer geklettert, saß behaglich oben und schaute sehr vergnügt auf den Buben herab. »Ich will dir's erklären. Jobst und Ulli angeln manchmal Fische, – nein, so nicht – sie wollen welche angeln und fangen keine, bloß mal einen, und der war vorher schon tot. Aber weißt du, Buben sind immer eingebildet« – –

»Das stimmt nicht,« rief Friede dazwischen. Doch das Füchslein ließ sich nicht stören, es rutschte auf der Mauer hin und her, seine rotbraunen Zöpfe wippten wie ein Paar Uhrenpendel auf und ab, und lustig schwatzte es weiter: »Buben sind immer eingebildet, und darum wollten sie mich nicht mitnehmen. Wir haben uns miteinander gestritten, und ich habe gesagt, ich kann was Besseres angeln als tote Fische, und darum sitze ich hier.«