»Und angelst meine Mütze?« Friede lachte. Das lustige Mädel auf der Gartenmauer gefiel ihm so gut, daß er alle Befangenheit verlor. Dies gefiel nun wieder Marianne ausnehmend, und sie rief: »Deine sollte es ja nicht sein. Aber komm doch rein, wir angeln dann beide Jobst und Ullis Mützen. Komm fix, sonst sehen sie dich!«

Friede überlegte nicht lange, sondern trat durch die Türe, die Marianne ihm zeigte, in den Garten. Der war weder sehr groß, noch besonders schön angelegt, es war ein richtiger Obst- und Krautgarten, einer, in dem es sich gewiß wundervoll spielen ließ. Ein umgestülpter Schubkarren diente dem Füchslein als Standort. Sie konnte von ihrem Platz aus bequem die Straße überschauen, und Friede mußte sich neben sie stellen und aufpassen. »Du kennst doch Ulli und Jobst,« sagte sie, »sie gehen mit dir in eine Klasse. Sag mal, warum bist du am ersten Tage gleich so grob zu Ulli gewesen? Er ist ganz wütend auf dich.«

»Ich bin gar nicht grob,« verteidigte sich Friede, und er erzählte dem Füchslein, wie sehr seine Mitschüler ihn vom ersten Tage an geneckt hätten, und daß ihn in seiner Klasse niemand leiden möchte.

Das Füchslein wieder verteidigte den Bruder und Freund. Eifrig rief es: »Wir haben uns auf dich gefreut, weil Onkel Treumann schon von dir erzählt hat, und weil unsere Katerlies sagt, in Oberheudorf passieren so viele Geschichten. Aber warte, jetzt stifte ich Frieden zwischen euch. Erst angeln wir Ulli und Jobsts Mützen weg, und nachher werdet ihr gute Freunde.«

Im Eifer hatten sie aber vergessen, auf die Straße zu schauen, und so traten plötzlich die zwei Buben, von denen sie eben gesprochen hatten, in den Garten.

»O pfui, ihr kommt so heimlich,« schalt Marianne schmollend.

Die beiden achteten nicht auf sie. Erstaunt blickten sie auf den Gast, und Jobst rief in seiner herrischen Art: »Was tust du denn hier?« Er meinte es nicht so schlimm, es kam bei ihm aber alles etwas patzig und abweisend heraus, und wer ihn nicht kannte, hielt ihn wohl für einen recht eingebildeten Buben.

Ulli knurrte nur »Na« und maß den unwillkommenen Gast mit einem unfreundlichen Blick. Friede wurde feuerrot. Er fühlte, die Buben sahen ihn als einen Eindringling an in ihrem Garten. Vor Scham und Ärger vergaß er das freundliche Füchslein, und daß dies Frieden hatte stiften wollen; schwipp, schwapp, drehte er sich trotzig um und lief zum Garten hinaus.