In Oberheudorf hatten die Kinder schon früher manchmal von dem Feldburger Schloß gehört; seit Traumfriede aber in der Stadt war, sprachen sie sehr viel davon. Das Schloß zu sehen lockte sie sehr. Muhme Lenelies sagte zwar oft: »Ach was, Schloß hin, Schloß her, meine Märchenschlösser sind schöner.«

Doch die Kinder glaubten ihr das nicht recht und gaben wohl zur Antwort: »Du sagst aber nicht, wo die liegen.« Auch der Lehrer in der Schule hatte von dem Schloß erzählt, das in der Geschichte des Herzogtums, zu dem Feldburg und Oberheudorf gehörten, eine ziemliche Rolle gespielt hatte. Ein deutscher Kaiser hatte einmal dort gewohnt, und allerlei dunkle Sagen umspielten das alte, graue Schloß.

»Warum hat uns Friede das Schloß nur nicht gezeigt? Zu dumm von ihm!« murrten die fünf ersten Stadtfahrer oft. Ihnen und den andern Kindern war es daher eine wundervolle Überraschung, als der Herr Lehrer eines Tages sagte: »Wir wollen einen Spaziergang machen, ratet wohin?«

»Nach Dachhausen,« schrieen die einen; die andern rieten: »Nach dem Kuhberger Walde.« Wo anders hin war es nämlich noch nie gegangen.

»Falsch geraten! Nach Feldburg, das Schloß ansehen.«

Ein unglaublicher Jubel erhob sich. Selbst der Lehrer erschrak, dies war ja noch ärger, als er gedacht hatte, und streng gebot er Ruhe. Da wurde es auch still im Schulzimmer, aber draußen auf der Dorfstraße ging der Lärm nachher wieder los. Die Buben und Mädel schwatzten so laut und eifrig miteinander, daß an diesem Tage sogar die Gänse, die Hauptspektakelmacher im Dorfe, eifersüchtig wurden. Eine dicke Gans schnatterte der andern zu: »Gräßlich das, man versteht ja sein eigenes Geschnatter nicht bei diesem Kindergeschrei!«

In heller Aufregung liefen die Kinder heim. »Wir gehn aufs Schloß,« schrie Heine Peterle schon zum Fenster hinein, damit es nur ja gleich alle wußten. Die erwartete Überraschung blieb leider aus, denn nur Muhme Rese saß in der Stube, und die dachte, es wäre wieder einer von des Buben Späßen. Sie brummelte nur: »Warum willste nich gleich zum Kaiser?«

Heine Peterle war entrüstet. Aufgeregt erzählte er nun ausführlich, was der Lehrer gesagt hatte. Da ließ die Muhme ihren Strickstrumpf sinken, sah den Buben nachdenklich an und sagte zuletzt: »Geh nur ja nich mit, Heine Peterle, nä, nä, tu das nich, dir passiert was, du paßt nich in en Schloß.«

Trotz dieser düstern Warnung dachte Heine Peterle gar nicht daran, daheim zu bleiben. Er gehörte ja schon zu den Großen, die mit durften, zu den »Gernegroßen«, sagte der Vater.