Die Regenwolken, die über Oberheudorf hingen, taten den Kindern den Gefallen, am Tage vorher eiligst auszureißen, und am Morgen des Festtages war der Himmel so blank geputzt, als hätten ihn die Oberheudorfer Mädel mit Sand und Seife abgescheuert.

Hatten die Kinder vor diesem Tage gefragt: »Wie kommen wir nach der Stadt?« dann hatten die Erwachsenen erwidert: »Auf Schusters Rappen, wie sonst; meint ihr, für euch würden Kutschen angespannt?«

Und dann standen zur Überraschung der Buben und Mädel am Morgen doch zwei große Leiterwagen auf dem Dorfplatz, und Friede Hopserling schmückte die Pferde gerade noch mit frischen Maiensträußen, als die Kinder angelaufen kamen. »Hurra, wir dürfen fahren,« schrieen alle.

»Nä, wer hat das gesagt?« brummte Friede Hopserling, und der Schulzenknecht, der den andern Wagen führte, rief: »Wer mitfahren will, muß 'nen Taler zahlen, billiger tu' ich's nicht.«

Aber die Kinder kletterten schon auf die Wagen hinauf, sie wußten genau, woran sie waren. Und dann kam der Herr Lehrer und setzte sich auch in den einen Wagen, und los ging die Fahrt. Die Dorfbewohner standen auf der Straße oder schauen zu den Fenstern heraus, sie winkten und nickten, und die Kinder taten, als ginge die Reise mindestens nach Amerika. Heine Peterle blies auf seiner rosenroten Flöte, Schulzens Jakob und Schnipfelbauers Fritz auf ihren Trillerpfeifen, die andern wieder sangen, und Friede Hopserling knurrte: »Die Pferde werden noch scheu werden.«

An einem sonnenhellen Frühlingstag auf einem Leiterwagen durch den Wald zu fahren, ist höchst vergnüglich, und die Oberheudorfer Buben und Mädel waren auch so lustig, wie man nur sein kann. In Wiesental, dem letzten Dorf vor Feldburg, wurde ausgestiegen. Von da aus ging es zu Fuß nach der Stadt. »Gleich zum Schloß hinauf,« gab der Lehrer den Ungeduldigen zur Antwort.

O dieser Zug durch die Stadt! Diejenigen, die schon dagewesen waren, blähten sich wie die Fröschlein auf und sagten wichtig, wenn sich die Gefährten über dies oder das wunderten: »Das ist so in der Stadt.«

»Da ist Herrn Schulz sein Ramschladen,« schrie Schulzens Jakob, und sämtliche Kinder blieben vor dem Laden stehen, preßten die Nasen an die Fensterscheibe und hatten nicht übel Lust, Herrn Schulz zu besuchen. Doch da rief Heine Peterle: »Nu kommt wieder der Wagen ohne Pferde.«

»Brrr bums,« blieb das Automobil stehen, und der Führer schalt zornig: »Ja, was soll denn das, Kinder? Runter von der Straße! Ich glaube gar, das sind wieder die dummen Buben von neulich!«