»Vielleicht hat er noch Schule,« meinte Heine Peterle nachdenklich, der dachte, in der Stadt könnte schon mal von früh bis abends Schule sein.
Als sie aber alle ans Schloßtor kamen, stand dort ein Bube und schwenkte jauchzend seine grüne Mütze: Friede war es. Er stürmte ihnen entgegen und hätte sie in der Freude seines Herzens am liebsten umarmt, den Herrn Lehrer voran. Ehe er aber noch alle recht begrüßt hatte, schrie Anton Friedlich, dessen Augen neugierig rundum gingen: »Uh je, da steht der Fürst mit 'nem großen Stock!«
»Er kommt her, er kommt her,« quiekten etliche Mädel und knicksten erschrocken bis zur Erde. Fein angetan in dunkelrotem, goldgesticktem Rock, einen Dreispitz auf dem Kopf, kam der Türhüter heran. Er wußte von dem Kommen der Oberheudorfer; der Lehrer hatte angefragt, ob er mit seinen Schulkindern an diesem Tage das Schloß besichtigen dürfe. Mit gnädigem Lächeln sah der Türhüter die Kinder an. Daß sie ihn für den Fürsten hielten, freute ihn, und er erlaubte es huldvoll, daß die Buben und Mädel ihn von allen Seiten betrachteten und um ihn herumliefen wie um einen Weihnachtsbaum. Sie hörten erst mit Bewundern und Besehen auf, als der Diener kam, der sie im Schloß herumführen sollte. »Hört nun schon auf,« mahnte der, »wenn ihr drinnen alles so genau besehen wollt wie unsern Türhüter, dann werdet ihr bis morgen früh nicht fertig. Kommt jetzt, drinnen gibt es Schöneres zu sehen.«
»Grobian,« brummte der Türhüter, der sich sehr gern bewundern ließ, aber dann sagte er auch: »Geht nur hinein!«
Es gab wirklich sehr viel in dem Schloß zu sehen: geschnitzte, vergoldete, mit Seide und Samt überzogene Sessel, Stühle, Sofas, Tische mit eingelegten, kunstvoll verzierten Platten, schimmernde Spiegel, Bilder, Vasen, kurz so viel schönen, reichen Hausrat, daß die Buben und Mädel aus dem Erstaunen und der Bewunderung gar nicht herauskamen. In einem Saal, der ganz von Gold schimmerte, mußten sie alle riesige Filzschuhe über ihre eigenen Schuhe ziehen. Der Fußboden war so fein und glänzend, so spiegelglatt, als sollte darauf gespeist werden, und der Diener mahnte: »Hier muß man vorsichtig gehen!«
Der hohe Herr.
Ja gehen, er hatte gut reden! Hopps, da lag der dicke Friede schon, und krach setzte sich Schulzens Jakob auf seinen Hosenboden. Krämers Trude zappelte ein Weilchen wie ein Fisch, dann fiel sie auch hin, und Bäckermeisters Mariele rutschte wie ein kleiner Schlitten auf ihrem Bäuchlein den halben Saal entlang. Der Führer hatte gerade mit dem Erklären beginnen wollen, als er sah, wie es um ihn herum plumpste. »Aber Kinder, was macht ihr denn?« rief er erschrocken.
Krach, da lag auch er da, so lang er war. Anton Friedlich hatte sich an seinem Bein halten wollen und ihn mit umgerissen.