Doch plötzlich zappelte ein rosa Bein in der Luft herum, dann noch eins, und dann – – stand Heine Peterle wieder da.

Aber wie sah er nur aus! »Bube, was ist denn geschehen?« Mit einem Ruck zog ihn der Lehrer ans Licht, während der Diener noch immer sprachlos in das dunkle Loch starrte, der gemalte Mann kam nämlich nicht wieder.

»I – ich – hazieh, hazieh!« Heine Peterle nieste einmal, zweimal, immerzu, und das war kein Wunder, denn er war von oben bis unten mit Staub bedeckt, Spinnweben lagen auf dem Haar und auf seiner Jacke; er sah aus, als hätte er ein halbes Jahrhundert in einer Rumpelkammer gesessen. »Was hast du denn gemacht, was hat er denn gemacht?« fragte der Lehrer ihn und die andern. Aber selbst für ihn, der doch die Buben und Mädel wahrlich kannte, war es schwer, etwas in dem wilden Durcheinander zu verstehen, nur ein Wort vernahm er immer wieder: »Er hat ihn auf den Bauch geschlagen,« »Er hat ihn auf den Bauch geschlagen.« »Hazieh, hazieh, hazieh!« nieste Heine Peterle, er schluchzte, hustete und stöhnte endlich: »Da – – da – –«

»Was ist da?« rief der Diener aufgeregt, und der Lehrer und die Kinder alle sahen gespannt auf Heine Peterle.

»Hazieh – – da – hazieh – – ist – hazieh – – 'n Loch!«

»Schafskopf,« schrie ihn der Diener an, »das sehen wir doch.« Auf einmal schlug er sich vor den Kopf. »Ich hab's: die geheime Türe ist das, die geheime Türe nach dem verborgenen Gang, nach der unser Fürst schon lange sucht. Das Bild ist die Türe.« Er raste an die große Haupttüre des Saales, an der ein Klingelzug hing, und läutete Sturm. Laut, dringlich schallte es durch das Schloß, und von allen Seiten eilten Diener herbei. Endlich kam auch der Kastellan, der in Abwesenheit des Fürsten das Schloß verwaltete. Lampen wurden gebracht und die geheimnisvolle Öffnung untersucht; eine ganz schmale, enge abwärtsführende Treppe wurde sichtbar.

»Es ist wirklich der geheime Gang,« sagte der Kastellan erstaunt. »Unser Fürst hat schon von einem Baumeister nach ihm suchen lassen, der aber nichts gefunden hat. Man vermutet nämlich irgendwo ein Gelaß, in dem wichtige Familienurkunden liegen sollen, aber bei einem Brande sind auch die Baupläne des Schlosses mit vernichtet worden. Der Großvater unseres jetzigen Fürsten hat den Gang noch gekannt, er starb aber unerwartet, und so erfuhr sein Sohn das Geheimnis nicht. Wie wird sich unser Fürst über die Entdeckung freuen!«

»Das ist dein Glück,« sagte der Lehrer sehr ernst zu Heine Peterle, »in fremden Schlössern haut man nämlich nicht mit der Faust nach den Bildern.«

»Nein,« meinte der Kastellan, »das tut man freilich nicht. Eigentlich ist's auch strafbar. Heute mag es freilich hingehen; hier ist mal eine Dummheit gut ausgegangen.«