»O Line,« sagte der alte Mann froh, »so soll endlich Friede werden zwischen uns? Gott sei gelobt!«
Die beiden Sonntagskinder hatten das Zwiegespräch nicht gehört. Füchslein hatte die wunderbare Geschichte von dem Oberheudorfer Huhn erzählt, und Ulrich wunderte sich gebührend. Dann mahnte er: »Komm heim, Mutter sorgt sich sonst. Und Jobst wartet auch!«
Marianne stülpte sich flink ihren Hut auf, nahm ihre Geige, und nach fröhlichem Abschied patschten sie beide versöhnt und einträchtig über den Johannesplan heimwärts.
Ein Weilchen später gingen die beiden alten Leute durch den rinnenden Regen hinüber in das Nachbarhaus zu dem Freunde ihrer Jugend. Friede stand an der Türe, als sie kamen, und er erschrak sehr, als er Fräulein Wunderlich so plötzlich vor sich sah. Sicher kam sie des Huhnes wegen. »Das Huhn,« stammelte er erschrocken, »ich – ich dachte, Sie hätten es hinausgeworfen!«
»Das Huhn! Hast du es gebracht?« rief Fräulein Wunderlich und zog den Knaben in ihre Arme. »O Friede, Junge, ich danke dir, o so sehr!«
»Für das Huhn?« Friede sah namenlos verdutzt drein.
Fräulein Wunderlich lachte, wirklich, sie lachte herzlich und froh, und dabei sah sie so hübsch aus wie ein Sonnentag. »Ja, für das Huhn, und noch für viel mehr. Komm, gib mir die Hand, wir wollen Frieden schließen miteinander, willst du?«
»Ja,« rief Friede vergnügt und rannte ins Haus hinein, um seinem Pflegevater den Besuch anzukündigen.
Der schlug mit lautem Knall das Buch zu, in dem er gelesen hatte. »Endlich,« rief er, »endlich ist die Dornenhecke fort!« Froh eilte er den Gästen entgegen, streckte ihnen beide Hände hin und rief: »Willkommen im Spiegelhaus! Das hätte ich nicht gedacht, daß mir der Regentag eine solche Freude bringen würde.«