Allerlei Geschenke, und was aus ihnen wird.
»Heute brauche ich nicht um die Kirche herum zu gehen,« dachte Traumfriede an dem Morgen nach der Versöhnung zwischen den feindlichen Nachbarn. Der Junge packte recht nachdenklich seine Bücher zusammen. Er freute sich, daß nun keine Feindschaft mehr zwischen dem Spiegelhaus und dem kleinen Organistenhaus herrschte, aber daß er nun wieder zu Wunderlichs sollte, tat ihm bitter leid. Gestern war es verabredet worden, und Fräulein Wunderlich war gar lieb und freundlich zu ihm gewesen. Er wußte aber doch, so lieb wie den Professor würde er sie nie gewinnen. »Könnte ich bei ihm bleiben!« wünschte er sich, als er durch den Garten auf das Tor zuschritt. Aber das war wohl ein vergeblicher Wunsch; Professor von Spiegel hatte ja gleich gesagt, er würde ihn nur kurze Zeit behalten.
»Heda, Traumfriede! Na, so etwas, der Bube sieht nicht rechts und links,« schrie ihn plötzlich eine laute Stimme an, und als er sich verwirrt umsah, hielt gerade vor ihm Kaspar auf dem Berge mit seinem Wäglein. »Na gelt, das freut dich, daß de mal wieder 'n Oberheudorfer siehst?« fragte der Wirt behaglich.
In Friedes Augen leuchtete es auf; er freute sich wirklich, und an die hochmütigen Grünmützen dachte er gar nicht. Er hatte gleich hundert Fragen zu stellen, fragte dies und das, wollte wissen, wie es Muhme Lenelies gehe und allen andern im Dorfe, und der dicke Wirt konnte kaum Luft schnappen. Endlich schrie er: »Nä, Friede, so 'n Gefrage! Kannst du aber schwätzen! Wie geht's?«
Ein Gruß aus der Heimat.
Friede wollte gerade den Mund zu einer neuen Frage auftun, als bimbam im Gymnasium die Uhr anschlug. Himmel, die Schule begann! »Ich muß fort,« rief Friede erschrocken, aber Kaspar auf dem Berge hielt ihn noch fest. »Da, Bub', die Wurst; ich hab' dir eine mitgebracht. Weißt schon, wie 'ne Oberheudorfer Wurst schmeckt keine andere.« Und ehe Friede noch recht wußte, wie und was, hatte er eine lange Wurst im Arm. Er stammelte noch einen kurzen Dank und raste dann eilig in die Schule. Es war allerhöchste Zeit.
»Ich soll noch 'ne Kiste abgeben; die stell ich hier rein,« schrie der Wirt noch. »Laß dir's schmecken!«