Einen Herzschlag lang zögerte Friede. Er wußte, wer die Wurst geworfen hatte. Jobst von Hellfeld war's gewesen, er hatte es wohl gesehen, aber angeben, nein, das tat er nicht. »Es ist meine Wurst,« sagte er nur, kein Wort der Anklage, nichts weiter.
»Warum hast du denn die Wurst mit in die Klasse gebracht?« Doktor Schneiders Stimme klang schon ein wenig milder als zuvor.
Friede war es da, als stände Kaspar auf dem Berge vor ihm; er sah sein rundes Gesicht und hörte seine breite Stimme freundlich reden, und ganz fest sagte er: »Ich habe die Wurst geschenkt bekommen. Der Wirt aus Oberheudorf hat sie mir mitgebracht, und es war zu spät, sie heimzutragen.«
»So – und warum hast du mit der Wurst geworfen, oder – warst du es nicht?«
Friede atmete tief, aber er schwieg. Doktor Schneider lächelte unmerklich. »Hm, vielleicht ist die Wurst von selbst durch die Luft geflogen, was meinst du?«
Zweiunddreißig Paar Bubenaugen ruhten auf Friede. Was würde er jetzt sagen? würde er doch der Angeber sein? Jobst von Hellfeld hatte die Lippen verächtlich zusammengepreßt; er verrät mich doch, dachte er, natürlich, er haßt mich ja!
»Na, Friede Heller,« fragte Doktor Schneider noch einmal, »was meinst du, ist die Wurst von selbst geflogen?«
»Nein,« rief Friede rasch und schaute zu dem Lehrer mit blitzenden Augen auf, »ich denke aus – Versehen. Wir haben uns geneckt.«
»Ich war's, ich warf die Wurst.« Jobst von Hellfeld schnellte wie ein Pfeil empor, er war auch blutrot geworden, aber mutig und ehrlich sah auch er zu dem Lehrer auf.