»Ich weiß nicht,« stotterte Friede verdutzt und musterte die Scherben. Die Kanne mit den Rosen und Vergißmeinnicht kannte er. Das war Waldbauers Staatskanne gewesen. Ja, und aus dem Topfe mit dem grünen Eichenkranz – aus dem hatte Heine Peterles Muhme sonst immer ihren Sonntagnachmittagkaffee getrunken.
»Ja so,« sagte Frau Emma wieder, »und hier ist ein Brief an dich. Vielleicht steht da drin, was der Unsinn bedeuten soll.« Sie reichte Friede einen Brief, der reichlich mit Fettfingern geziert war, und als der Junge ihn erbrach, strahlte ihm als Erstes ein großer Tintenklecks entgegen. »Ach,« dachte er, »der ist von Heine Peterle.« Denn Heine Peterle war groß in Tintenklecksen, ein richtiger Künstler war er darin; niemand in ganz Oberheudorf machte so viele und so große Tintenkleckse wie Heine Peterle.
Der Brief war auch wirklich von ihm. Er lautete: »Lieber Friede! Weil Dein Härr Brofester so arg gern gapuhte Töppe hat, kriechst Du welche. Wir haben alle welche gebragt und weil ich keins hatte, habb ich Muhme Rese seinen Kaffätopp erschlagen. Und wenns wider was gapuht ist, kriechts Härr Brofester. Und file Grüßen von alle. Und wenns doch erst Fährchen giehbt. Und mit filen Grüßen Dein liebr Heine Peterle. Und auf Witersähen. Haste die Stattjungens schon ferhauen?«
Friede ließ den Brief sinken und sah Frau Emma halb kläglich, halb lachend an. »Die Töpfe sind wirklich für den Herrn Professor! Hier steht's.«
»Was ist für mich?« Professor von Spiegel hatte in seinem Zimmer Friedes Worte gehört. Er schaute zur Tür hinaus, und das erste, was er sah, war das zerschlagene Geschirr. »Na nu,« rief er, »es hat heute wohl hier Polterabend gegeben?«
»Das ist für Sie, Herr Professor,« rief die ordentliche Frau Emma ärgerlich. »Aus Oberheudorf haben sie es geschickt. So ein Unsinn, solchen Kram zu schicken!«
»Wer weiß, was sie sich dabei gedacht haben. Zeig doch mal deinen Brief, Friede!«
»Heine Peterle kann nicht so sehr gut schreiben,« murmelte Friede verlegen, den Brief hinreichend.
»Aber Kleckse kann er scheint's machen,« meinte der Professor, »und – oh – –.« Der alte Herr lachte plötzlich laut auf, lachte so schallend und herzlich, daß sein Lachen die andern ansteckte. Sie lachten mit, Frau Emma, ohne zu wissen, warum, und Friede, weil er herzlich froh war, daß sein Beschützer sich nicht ärgerte. »Oh,« rief der, »ihr Oberheudorfer seid doch wirklich ein kurioses Volk! Zu meinen Altertümern, zu meinen wertvollen Ausgrabungen soll ich diese Scherben stellen. O, o Kinder! Dieser Heine Peterle schlägt auch noch dafür seiner Muhme den Kaffeetopf entzwei.«