Die Gärtnersfrau hatte inzwischen den Brief genommen und ihn gelesen, und ihr kullerten gleich die hellen Tränen vor Lachen über das runde Gesicht. »Nein, dieser Purzel,« rief sie, »ich koche ihm Schokolade, wenn er noch einmal kommt.«

»Er meinte es so gut,« sagte Friede. Der Freund tat ihm leid. Wie würde sich der kränken, wenn er wüßte, wie er ausgelacht würde! Und noch einmal sagte er bittend, entschuldigend: »Er ist doch so gut!«

»Brav, mein Junge, entschuldige deinen Freund!« Der Professor klopfte noch immer lachend Friede auf die Schulter. »Freilich, woher sollt ihr es auch wissen, was meine Sammlung bedeutet,« fügte er gutherzig hinzu.

»Ach, der Friede ahnt es schon,« rief Frau Emma rasch. »Der steckt, so oft er kann, im Saal; ich glaube, der kennt schon jedes Stück.«

Überrascht schaute der Professor seinen Pflegesohn an. Er war allezeit freundlich und väterlich zu dem Buben gewesen, aber allzuviel hatte er sich doch nicht mit ihm unterhalten. Er hatte ihn in sein Haus genommen, weil es gerade nicht anders ging, aber eigentlich hatte er ihn immer nur wie einen Gast betrachtet, der kommt und wieder geht und nie weiter an seine Zukunft gedacht. »Wollen wir einmal zusammen zu meinen Lieblingen gehen?« fragte er jetzt freundlich. »Unterdessen denkt Frau Emma vielleicht an das Mittagessen.«

»Ach, du meine Güte,« rief die Frau erschrocken, »ich vergesse ja rein über dem Oberheudorfer Unsinn die Küche und lasse meinen Herrn verhungern!« Sie rannte aufgeregt davon.

Der alte Herr aber stieg heiter mit dem Knaben in das obere Stockwerk hinauf und betrat den Saal, in dem seine Sammlung aufgestellt war. Er erklärte Friede dies und das, fragte auch einmal und verwunderte sich immer mehr über des Buben kluge Antworten und sein lebhaftes Interesse. »Eigentlich ist's schade,« rief Herr von Spiegel, »daß du wieder fortgehst.«

»Ach ja!« Aus allertiefstem Herzensgrund kam Friedes Seufzer, und seine blauen Augen sprachen so deutlich: »Ich möchte hier bleiben,« daß der Professor erst gar nicht darum zu fragen brauchte. Er rief lachend: »Ja, Friede Heller, ich glaube wirklich, du bleibst lieber bei mir und magst nicht zu den Wunderlichs hinüber!«

Friede nickte strahlend, hoffnungsfroh: »Ich blieb' so gern, ach furchtbar gern.«