»Aber Fräulein Wunderlich, was wird sie sagen?« Der alte Herr sah bedenklich aus.

»Ach, sie ist sicher sehr froh, wenn ich nicht komme,« rief Friede aufgeregt. »Ich mache doch Schmutztapsen auf der Treppe und bin laut und ärgere sie und – –«

»Na, du hast es ja gut vor! Bist du so ein Schelm?« fragte der Professor lachend. »Wir wollen uns einmal die Sache überlegen. Jetzt ruft uns Frau Emma zu Tisch, und ich denke, wir haben beide Hunger.«

Friede spürte zwar keinen Hunger. In der Freude seines Herzens aber sauste er im Oberheudorfer Geschwindschritt die Treppe hinab. Das Speisezimmer lag im Erdgeschoß. Es ging trapp, trapp, trapp. Auf der vorletzten Stufe verlor er das Gleichgewicht, und mit lautem Gepolter sauste er in die Töpfe, Kannen und Teller hinein, die noch immer auf dem Flur standen. Klirr, krach, zersprang Muhme Reses Kaffeetopf in tausend Scherben, und Waldbauers einstige Staatskanne kollerte dem Professor vor die Füße, während der Kuchenteller, der einst im Schulzenhause Prunkstück gewesen war, den ganzen Flur entlang rollte.

»Erbarm dich, Junge!« rief Frau Emma. »Wenn du so toben willst, dann wird dich drüben Fräulein Wunderlich gut ansehen!«

»Da ist's wohl besser, er bleibt hier bei uns, nicht wahr, Frau Emma?« meinte der Professor und sah lächelnd, prüfend in Friedes Gesicht.

»Na allemal,« rief die Gärtnersfrau. »Ist doch was Junges im Haus!«

Friede war sehr verlegen geworden. »Ich kann auch leiser gehen,« stotterte er beschämt und trat zur Seite, und klirr, ging Kaspars auf dem Berge alter Bierkrug völlig auseinander; Friede war gerade darauf getreten. Da nahm der Professor den Buben gütig an der Hand und zog ihn mit in das Eßzimmer hinein. »Ich sehe schon, es hilft nichts; ich muß nachher hinüber gehen und dich von den Wunderlichs losbitten. Ich werde ihnen sagen, daß du ein ganz schlimmer Bube bist und alle Oberheudorfer Altertümer zertreten hast.«

Das Losbitten war nicht leicht. Im Musikzimmer des Organistenhauses brachte der Professor seine Bitte vor, und Fräulein Wunderlich sah trübe drein. Einstmals hatte sie sich gesträubt, den Oberheudorfer Buben in ihr Haus zu nehmen, nun tat es ihr bitter leid, daß er nicht kommen wollte.

»Ich würde so gut zu ihm sein,« sagte sie traurig; »aber freilich, Liebe läßt sich nicht erzwingen.«