»Aber erwerben! Wir wollen uns teilen,« gab Herr von Spiegel zur Antwort. »Friede soll bei mir und hier zu Hause sein. Er soll oft, oft zu den guten Nachbarn gehen.«

»Er darf auch poltern und mal ein rechter Oberheudorfer Bube sein,« rief das Fräulein halb lachend, halb wehmütig.

»Er hat's schon gut, der Junge,« sagte Herr Wunderlich heiter. »Erst mochte ihn niemand leiden, nun streiten sich gar zwei um ihn. Aber was ist das?« Er deutete auf den Johannesplan, den man durch das Fenster sehen konnte. Da stand Friede mit Jobst und den Geschwistern Sonntag, und alle vier lachten laut und herzlich; der ganze Platz schien mitzulachen. Das Füchslein hopste vor Vergnügen immer von einem Bein auf das andere. Es schwenkte einen Brief hin und her, und sein helles Stimmlein drang zu den drei alten Leuten in das Zimmer hinein: »Oh! Heine Peterle ist zu ulkig. Ach, ich muß nach Oberheudorf, ich muß Heine Peterle sehen!«

»Wir auch, wir auch,« brüllten die Buben.

»Freundschaft überall,« sagte Herr von Spiegel, nickte heiter und rief seinen Pflegesohn herbei. Die Kinder kamen eilig an, und Friedes Augen strahlten hell, als er erfuhr, daß ihm das Spiegelhaus weiter Heimat sein sollte. Fräulein Wunderlichs Gesicht wurde ernst, ja finster; des Buben Freude tat ihr bitter weh. Der Professor merkte es, und rasch sagte er: »Zeig mal Heine Peterles Brief.« Und während die alte Freundin las, erzählte er von den Oberheudorfer Altertümern, und allgemach wurden die Kummerfalten in Fräulein Wunderlichs Gesicht wieder glatt. Ein Lachen zuckte um ihren Mund, und zuletzt lachte sie mit den Kindern um die Wette. Draußen hörte es Marie und wurde auch angesteckt, und die Wände des alten Hauses wunderten sich über das frohe herzliche Lachen. So etwas hatten sie lange, lange nicht gehört!


Die Denkmalsbuben von Schwipperlingen.

Wenn die Oberheudorfer Buben und Mädel gar so stolz und aufgebläht von ihren Stadtbesuchen sprachen, dann sagte wohl Schuster Pechdraht, der gern ein wenig neckte: »Aber in Schwipperlingen waret ihr doch noch nicht.«