Das stimmte. In Schwipperlingen war noch keins der Kinder gewesen, und dann ärgerten sie sich jedesmal, wenn es der Schuster sagte. Das Städtchen lag nicht viel weiter von Oberheudorf entfernt als Feldburg, aber der Weg dahin war etwas beschwerlicher. Außerdem gingen die Oberheudorfer seit vielen Jahren nach Feldburg, denn Schwipperlingen hatte früher einem andern Fürstentum angehört, und die ältesten Leute sagten noch immer: »Schwipperlingen liegt im Ausland.«
An einem Samstagnachmittag nun marschierten etliche Buben und Mädel an des Schusters Haus vorbei und machten so viel Geschrei und Geträtsch, daß der Schuster zum Fenster hinaussah und ein bißchen ärgerlich sagte: »Na, was habt ihr denn wieder?«
»Anton Friedlich und der dicke Friede verreisen,« schrieen etliche Buben.
»Verreisen? So, wohin denn? Was haben denn dumme Buben zu verreisen?«
»Nach Schwipperlingen geht's,« rief Anton Friedlich keck, den die dummen Buben erbosten.
Die andern Kinder lachten, und Schuster Pechdraht ärgerte sich über die Antwort. Er klappte das Fenster zu und schalt: »In Schwipperlingen können sie euch gar nicht gebrauchen.«
»Jetzt hat er's! Warum neckt er uns immer,« rief Anton Friedlich stolz.
»Am Ende denkt er gar, ihr geht nach Schwipperlingen,« kicherte Schulzens Röse, und das kam allen so komisch vor, daß sie zusammen in ein lautes Gelächter ausbrachen.
Anton Friedlich sollte im Forsthaus Hirschsprung seine Muhme, seines Vaters Schwester, besuchen, und da diese Muhme auch des dicken Friedes Muhme war, durfte der mit. Bis zu dem Forsthaus hatten sie etwa zwei Stunden zu gehen, und da sie dort übernachten durften, machten sie natürlich eine Reise. Wenn einer aber eine Reise macht, geben ihm gute Freunde bis zum Bahnhof das Geleit. Da es in Oberheudorf aber keinen Bahnhof gab, liefen die Kinder wenigstens bis zum Kuhberger Walde mit. Dort wurde Abschied genommen, und der dicke Friede seufzte dabei schwer.