»Da – – ist der Bauer.« Friede stieß plötzlich den Vetter an. Richtig, da hielt der Bauer vor einem Hause und sprach mit einem Mann.
»Er sieht uns nicht,« flüsterte Anton; aber gerade da wendete sich der Bauer um und schaute dorthin, wo die beiden Buben standen. Heisa! waren die um eine Ecke herum verschwunden, und ein paar Minuten lang liefen sie, ohne sich umzusehen durch die Straßen. Die Angst, entdeckt zu werden, trieb sie vorwärts. Aber der Bauer verfolgte sie nicht, und so blieben sie wieder stehen. Die Straße, die sie entlang gelaufen waren, mündete auf einen von Häusern umstandenen Platz. Auf dem stand in der Mitte ein großer Bretterverschlag.
»Dort bauen sie 'n Karussell,« rief Anton.
Aber Friede sah kaum hin; ihm war plötzlich etwas eingefallen. »Du,« sagte er ängstlich, »wo schlafen wir denn?«
Anton Friedlich vergaß den Bretterverschlag, die geschmückte Stadt, alles. Er blickte sich scheu um. Es war schon ziemlich dunkel geworden; nur kurze Zeit noch, dann war es Nacht. Was taten sie dann?
»Ich hab' Hunger,« klagte der dicke Friede, der mehr und mehr die Lust verlor, sich die Fahnen und Girlanden anzusehen. Die vielen, vielen Menschen auf den Straßen wurden ihm immer unheimlicher, und eine heiße Sehnsucht nach Oberheudorf packte ihn. Dort brauchte er nicht zu hungern, dort stand sein Bett, dort –
»Dort kommt er wieder,« tuschelte Anton Friedlich aufgeregt. Ein Wagen rollte die Straße entlang, und die Buben rissen aus, obgleich sie in der immer tiefer werdenden Dämmerung gar nicht erkannten, ob es der Bauer war, den sie auf der Landstraße getroffen hatten.
»Ich hab' Hunger,« klagte Friede nach einem Weilchen wieder, und der Vetter nahm trotzig seine beiden Groschen aus der Tasche und tröstete: »Wir kaufen uns was, dort ist ein Laden.« Er zog Friede mit über die Straße und blieb vor einem hellerleuchteten kleinen Laden stehen. Im Schaufenster lagen allerlei gute Dinge: Wurst, Käse, Früchte; alles sah sehr verlockend aus, und den hungrigen Buben lief das Wasser im Munde zusammen.
»So'ne Fische sind fein,« sagte Friede und deutete auf geräucherte Aale. Einmal hatte die Mutter so einen Fisch aus der Stadt mitgebracht.
Der Kaufmann öffnete seine Türe, sah die Straßen entlang, und als er die beiden Buben erblickte, fragte er: »Wollt ihr noch was kaufen, dann sputet euch. Jetzt wird zugemacht.«