»Ja, so'n Fisch,« flüsterte Anton verlegen und deutete auf den größten fetten Aal.

»Na, dann kommt nur herein. Habt ihr Geld?«

»Ja.« Stolz reichte Anton Friedlich seine Groschen hin, und Friede bewunderte heimlich des Vetters Kühnheit. Der tat auch, als wäre er schon wer weiß wie oft in der Stadt gewesen. Der Kaufmann sah die beiden Groschen an und lachte. »Das ist zu wenig, dafür bekommst du nur zwei von dieser Sorte; sind auch gut, sind sogar sehr fein.« Er wickelte zwei große Bücklinge ein und reichte sie den Buben. »Laßt's euch gut schmecken. Und nun geht, ich muß meinen Laden schließen.«

Die beiden standen draußen und wußten kaum, wie sie hinausgekommen waren. Und hinter ihnen schloß der Kaufmann rasselnd seinen Laden. »Mein Geld,« schrie Anton Friedlich erschrocken, »ich will die Fische nicht.«

Er konnte aber lange rufen, das Geschäft war zu, und niemand kümmerte sich um seine Klage. Nur ein paar Vorübergehende sahen sich nach den Buben um, und das war denen so unheimlich, daß sie weiter liefen. Sie rannten mit ihren Fischen straßauf, straßab; sie wußten nicht, wo sie sich hinsetzen und bleiben sollten. Jeder Mensch, den sie trafen, schien sie mit strengen, musternden Blicken anzusehen, und mit gesenkten Köpfen rannten sie weiter. Endlich gelangten sie wieder auf den Platz, auf dem die Bretterbude stand. Die Menschen waren inzwischen alle in ihre Häuser gegangen, und der ganze Platz lag öde und verlassen da. »Weißte was,« tuschelte Anton Friedlich, »wir kriechen in die Bude rein.«

»Hm,« knurrte der dicke Friede nur noch. Er war so müde geworden, daß er kaum noch die Augen aufhalten konnte. Stumm stolperte er hinter dem Vetter drein, und zweimal liefen sie um die Bretterbude herum, ehe sie eine lose Planke entdeckten und da hineinschlüpfen konnten. Innen war es ganz still, nichts rührte und regte sich. Wie ein Karussell sah es eigentlich nicht aus; nur in der Mitte stand ein großer verhüllter Gegenstand.

Anton guckte zaghaft unter das verhüllende Tuch und entdeckte ein paar Pferdebeine. Erst erschrak er. Da die Beine sich aber nicht bewegten und der Dorfbube vor Pferden keine Angst hatte, tippte er vorsichtig daran und fühlte, daß die Beine hart und kalt waren. »Siehste,« sagte er stolz, »das ist'n Karussell, und morgen ist Vogelschießen und –«

»Ich hab' Hunger,« seufzte Friede und aß dann schon halb schlafend den einen der teuer erkauften Fische auf. Der schmeckte ihm nicht sonderlich, und das Loch in seinem Magen füllte er auch nicht aus. Aber vor Müdigkeit vergaß er zuletzt auch seinen Hunger. Am Boden lagen ein paar leere Säcke. Sie gaben zwar ein hartes Lager ab, es war aber doch ein Lager. Die Buben dachten nicht mehr weiter darüber nach, was morgen sein würde; sie streckten sich aus und schliefen schon ein, während sie sich noch reckten und dehnten. Über ihnen summte und surrte von Stunde zu Stunde laut eine große Kirchenglocke, aber die beiden wachten davon nicht auf, sie schliefen auf ihrem harten Lager bis zum lichten Morgen.

Anton Friedlich wachte zuerst auf. Ganz deutlich hatte er laute Stimmen neben sich vernommen. Schlaftrunken rieb er sich die Augen, und erst allmählich fiel ihm ein, daß er ja in Schwipperlingen war und nicht daheim. Der dicke Friede schnarchte noch mit offenem Munde, und Anton wollte ihn gerade mit lautem Zuruf wecken, als in allernächster Nähe eine Stimme sagte: »Jetzt schnell runter mit dem Gerüst, damit Ordnung wird.« Und krach schlug es an die Bretterplanke.