Von einem Schutzmann geleitet, aus der Stadt gebracht zu werden, war wirklich keine Ehre und kein Vergnügen. Die Buben büßten auf dem Gang noch einmal bitter ihr heimliches Davonlaufen. Es war wirklich, als hätten die unnützen Schwipperlinger Buben und Mädel nichts weiter zu tun, als immer nur über die Denkmalsbuben zu spotten und zu lachen. Ach, und Schwipperlingen, das nur ein kleines Städtchen war, erschien den beiden riesengroß. Immer wieder gab es Straßen und Häuser, und die Schwipperlinger waren so schrecklich neugierig. Im allerletzten Haus noch guckte eine Frau aus dem Fenster heraus und rief: »Was haben denn die gemacht?«

»Das sind die Enthüllten, die Denkmalsbuben,« schrieen ein paar Straßenjungen, und das Wort gellte Anton und Friede noch eine ganze Weile nach, als das Städtchen schon hinter ihnen lag. Anfangs liefen sie wie ein paar Rennpferde, und erst als die Stadt ganz in der Ferne verschwunden war, setzten sie sich an den Straßenrand, aßen ihren Kuchen und redeten ganz trübselig von der Heimkehr.

»Weißte,« sagte Anton Friedlich, als er den letzten Bissen verschluckt hatte, »wir tun, als wär's furchtbar lustig gewesen. Vom dummen Denkmal sagen wir gar nichts.«

Der dicke Friede seufzte tief. Das Lustigsein erschien ihm eine schwere Arbeit. Freilich, vor dem Ausgelachtwerden fürchtete er sich auch, und so versprach er denn, er wolle ein lustiges Gesicht machen. Er probierte es schon unterwegs, bald zog er den Mund ganz breit, dann wieder lachte er laut, und ein paar Landleute, die den Buben begegneten, fragten ängstlich: »Der Dicke ist wohl krank?«

»Jetzt kannste's schon,« rief Anton Friedlich froh, als die Oberheudorfer Kirchturmspitze vor beiden auftauchte. »Paß auf, es merkt niemand was!«

Das Dorf lag im Sonntagsfrieden, als die beiden es erreichten. Alle Arbeit ruhte, und vor den Türen saßen die Erwachsenen und freuten sich an dem Sonnenschein und an dem Blühen in ihren kleinen Gärten. Um den Dorfbrunnen herum aber lärmten mal wieder die Buben und Mädel. Sie spielten Räuber und Prinzessin, und Krämers Trude saß als Prinzessin auf dem Brunnenrand und sah zu, wie sich ihre Getreuen mit den Räubern herumbalgten. Es war immer eine gefährliche Sache, als Prinzessin auf dem Brunnenrand zu sitzen. Denn schon manche Prinzessin war im stürmischen Kampf in den Trog geplumpst, und Krämers Trude sah auch ziemlich ängstlich drein und dachte: »Vielleicht plumpse ich auch.«

Just als nun die Räuber angerast kamen und die Ritter die Prinzessin verteidigen wollten, stolperten Anton Friedlich und der dicke Friede müde und matt die Dorfstraße entlang. »Da sind die feigen Ausreißer,« schrie Heine Peterle und schwenkte drohend seinen Holzpantoffel, und Schulzens Jakob stakerte mit seiner Bohnenstange in der Luft herum und brüllte, so laut er konnte: »Nieder mit den Ausreißern, nieder mit den feigen Hallunken!«

»Na, das ist doch zu frech,« schrie Anton Friedlich erbost. »Wir sind keine Hallunken, und in Schwipperlingen war's fein!« Er entriß Heine Peterle zornig den Holzpantoffel, und es hätte sicher eine Balgerei gegeben, wenn der dicke Friede nicht mutig geschrieen hätte: »Wir waren in Schwipperlingen!«

Ritter und Räuber vergaßen ihre Kampfeslust, die Prinzessin rutschte vom Brunnenrand herab, und alle umdrängten neugierig die Heimkehrenden. »Warum seid ihr in Schwipperlingen gewesen? Wie war's denn? Erzählt doch!«

Anton Friedlich war schon wieder friedlich gesinnt. Er merkte, daß Heine Peterle und Jakob ihn gar nicht gemeint hatten, und stolz begann er zu erzählen. Er schwadronierte darauf los, schwatzte von den Schönheiten Schwipperlingens, und der dicke Friede riß den Mund vor Staunen weit auf. Nein, konnte der Vetter aber aufschneiden!