Wie ein paar Helden wurden die Buben geehrt. Das war noch einmal etwas: in Schwipperlingen war noch niemand von den Kindern gewesen! Ja sogar die Eltern schalten nicht so sehr. Heimlich sagte sogar Anton Friedlichs Vater zum Schulzen: »Sind doch ein paar tüchtige Buben! Laufen in eine fremde Stadt, als wär' das nichts. Ist ganz gut, wenn sie in den Städten merken, was wir Oberheudorfer für Leute sind.«

Drei Tage dauerte der Ruhm der Buben, und Anton Friedlich wurde immer kühner, immer frecher im Aufschneiden. Er wußte immer mehr von Schwipperlingen zu erzählen, und beim Heimweg umdrängten ihn stets alle Kinder neugierig. Nur von Schwipperlingen wollten sie hören, an Feldburg dachten sie kaum noch. Am dritten Tage aber, als die Kinder wieder auf der Dorfstraße lärmten, rief Schuster Pechdraht auf einmal: »Kommt her, ich will euch eine feine Geschichte vorlesen.«

Na, neugierig waren die Oberheudorfer Buben und Mädel alle, und sie überpurzelten sich beinahe, um nur rasch an das Schusterhaus zu kommen. Meister Pechdraht saß vor seiner Tür und hatte ein Zeitungsblatt in der Hand. »Stellt euch alle um mich herum; Anton Friedlich und du, dicker Friede, ihr dürft euch neben mich setzen, ihr Schwipperlinger Helden ihr.«

Die beiden lachten stolz und blähten sich ordentlich auf; die andern sahen sie ganz ehrfürchtig an. Auch ein paar Mägde kamen angelaufen, selbst der Schulze und der Waldbauer, die gerade vorbeikamen, blieben stehen und fragten: »Was gibt's denn?«

»Hört nur zu, eine feine Geschichte gibt's,« sagte Meister Pechdraht und lachte so recht spöttisch; dann las er laut: »Die Denkmalsenthüllung in Schwipperlingen.« Nun bekamen der Anton und der Friede auf einmal rote Köpfe. Aber der Schuster schien das gar nicht zu merken, er las laut, wie man in Schwipperlingen die Stadt geschmückt hatte; die Rede des Bürgermeisters kam und dann – oh, wäre doch ein Mauseloch dagewesen für die beiden Schwipperlinger Helden. Da stand alles, ihre ganze Leidensgeschichte war berichtet worden, und zuletzt hieß es: »Hoffentlich sind die Oberheudorfer Buben nicht alle so dumm wie diese beiden.«

»Nä!« schrieen sämtliche Kinder entrüstet. Der Schulze aber schalt wütend: »Potzwetter, ihr Buben, was habt ihr angerichtet! Ihr bringt ja unser ganzes Dorf in Verruf. Na, wartet nur!«

Die beiden warteten aber nicht. Und so wütend die Kinder auf sie waren, durchschlüpfen ließen sie die Missetäter doch. Dann rannten freilich sämtliche Buben und Mädel hinter ihnen her und spotteten: »War's fein in Schwipperlingen? Erzählt doch von Schwipperlingen! Ha, die Denkmalsbuben!«

Die beiden hatten keine guten Tage, und sie wurden sehr kleinlaut und bescheiden in dieser Zeit. Wenn jetzt einer nur »Schwipp« sagte, dann huschten sie schon geschwind um die nächste Ecke herum. Aber auch die andern Kinder wollen nichts von Schwipperlingen wissen, und Schuster Pechdraht kann zehnmal sagen: »Aber in Schwipperlingen waret ihr doch nicht,« sie machten sich nichts daraus, sie schrieen nur: »Nach Schwipperlingen gehen wir nicht, schwipp, schwapp, Feldburg ist besser!«