Sommerferienlust.
»Übermorgen gibt's Ferien, und Friede Heller kommt heim.« Die Oberheudorfer Buben und Mädel erzählten sich das nun schon zum hundertsten Male, und wenn nur ein Mensch in Oberheudorf gewesen wäre, der diese wichtige Sache nicht gewußt hatte, alle hätten es ihm gern nochmals und nochmals gesagt. Aber die Erwachsenen mochten gar nichts mehr von den Ferien hören. Hans Rumpf, der Nachtwächter, meinte sogar, es sei ein rechter Unsinn damit, doppelt Schule wäre richtiger. Nur Muhme Lenelies ließ sich immer wieder von den Ferien erzählen, und jedesmal freute sie sich und sagte auch: »Und Friede kommt heim.«
»Wenn er kommt, machen wir was,« erklärte Heine Peterle.
»Was denn?«
»Na, Musik oder so was. Wie wenn der Herzog kommt.«
»Laßt es lieber,« riet Muhme Lenelies. »Solche Überraschungen gehen manchmal verkehrt aus.«
Aber die Kinder hörten nicht auf den guten Rat. Traumfriede mußte feierlich empfangen werden, das stand fest. Aber wie? Anton Friedlich sagte: »Fahnen und Musik müßten wir haben, das ist fein.«
»So war's wohl in Schwipperlingen?« neckten etliche. Aber die Fahnen gefielen doch allen, nur – sie hatten keine. Die drei Fahnen, die manchmal an Festtagen das Dorf schmückten, bekamen die Kinder nicht, das wußten sie, auch ohne danach zu fragen. Sie rieten hin und her, bis auf einmal Schnipfelbauers Fritz rief: »Ich weiß was. Kathrine hat einen roten Rock und Mutter eine schwarze Schürze und ein weißes Tuch dazu; das ist wie 'ne Fahne.«