»Meine Mutter hat nur blaue Schürzen,« meinte der dicke Friede betrübt.
»Och, das schadet nicht,« schrie Anton Friedlich. »Fahne ist Fahne, 's kann auch blaue geben.«
»Und grüne und gelbe und rote und alle möglichen,« riefen die andern Kinder. Und jedem fiel ganz unversehens ein, aus was eine Fahne gemacht werden könnte. Es würde gewiß ganz wundervoll werden, und höchst befriedigt liefen alle heim.
Einen Tag vor Ferienanfang verschwanden den Bäuerinnen auf sehr geheimnisvolle Weise Schürzen, Röcke, Umschlagtücher, Bettlaken und ähnliche Dinge. Die meisten Hausfrauen merkten es gar nicht. Nur da, wo sich ein großes Suchen und Geschrei darum erhob, kamen die entschwundenen Sachen sehr geheimnisvoll wieder. So vermißte Muhme Rese plötzlich ihren neuen kornblumenblauen Sonntagsrock, worüber denn bald das ganze Haus in Aufregung geriet. Und auf einmal hing der Rock in der Federkammer, und kein Mensch wußte, wie er dahin gekommen war. Heine Peterle konnte nicht mal Antwort geben. Der Bube saß und lernte so eifrig; er schien nichts zu sehen und zu hören, und Muhme Rese dachte: »Er geht vielleicht doch noch auf die Stadtschule. So'n Fleiß ist noch gar nich dagewesen.«
Endlich war der letzte Schultag gekommen. Da an diesem Tage niemand zur Stadt fuhr, sollte Traumfriede zu Fuß heimkommen. Seine Sachen wollte Friede Hopserling am nächsten Tage mitbringen. Um zwölf Uhr wurde in Oberheudorf die Schule geschlossen, und die Kinder rechneten: »Erst ißt der Friede zu Mittag, dann läuft er vier Stunden, dann ist er da.« Sie fragten aber erst noch Muhme Lenelies: »Wann kommt er denn?«
»So um fünfe rum, denk' ich,« meinte die Muhme. »Aber Kinder, Kinder, macht nur keine Dummheiten.«
Hans Rumpf, der Nachtwächter, sah an diesem Tage alle Buben und Mädel auf eine am äußersten Ende des Dorfes gelegene Scheune zulaufen. Jedes trug geheimnisvoll ein Paket und eine Bohnenstange, und alle rannten scheu und heimlich hinter den Häusern vorbei. »Na warte, die haben einen dummen Streich vor,« dachte der Nachtwächter. »Da will ich mal aufpassen.« Er wanderte auch auf die Scheune zu, und als er hinkam, hörte er drinnen Geschwätz und Gelächter. »Was macht ihr da?« rief er und versuchte die Türe zu öffnen. Doch die ging nicht auf, sie wurde von innen zugehalten. Er bekam auch keine Antwort auf seine Frage, und so drohte er: »Ich werde euch schon erwischen, paßt nur auf; ich bleibe hier sitzen.«
Er setzte sich auf einen Baumstumpf am Scheuneneingang, zündete sich seine Pfeife an und wartete.