»Hier ist das Loch!« frohlockte Heine und führte seine kleine Freundin ein Stück auf dem festen Boden entlang ins Moor hinein. Ein Busch stand am Rand, an dem machte Heine halt und sagte: »Hier mußt du hinein, ich halt’ dich fest. Hab’ keine Angst, du fällst nicht!«

Und Babinchen trat in ihrem weißen Kleidchen ganz still und ergeben auf das Moor. Sie stand ein Weilchen drauf wie eine weiße, helle Blüte, auf einmal aber begann sie zu sinken, nicht tief, nur etwa bis an die Knie, da fühlte sie schon wieder festen Boden unter sich. »Es geht nicht weiter!« klagte sie. Aber Heine, über den in dem Augenblick, da Babinchen zu sinken begann, eine jähe Angst gekommen war, sagte ganz beruhigt: »Das ist gut, dann legst du dich hin, dabei ist keine Gefahr. Dreh’ dich ein bißchen im Moor herum, dann bist du dunkel genug.«

Babinchen befolgte auch diesen Rat des Freundes. Sie drehte sich geschwind im Moor herum, kam mit dem Gesicht hinein, aber da riß Heine sie schon wieder mit kühnem Griff empor und zog sie auf den Steg zurück. Aus der weißen, feinen Lilie war nun auf einmal ein kleines, grünbraunes Ungeheuer geworden. Ein dicklicher Brei rann an ihr herunter, klebte im Gesicht, an den Händen und troff aus den dunklen Locken.

»Himmel,« stammelte Heine, nun doch entsetzt von dem Anblick, »du siehst ja gräßlich aus!« –«

»Fein is das!« rief hier Jackenknöpfle andächtig; ihm gefiel dies Moorbad ungemein.

Die andern tuschelten: »Sei doch still, jetzt wollen sie doch rüberlaufen!«

Frau Fries hielt einen Augenblick an, und dann fuhr sie fort, während ihr Blick gut und froh über die Kinder ging: »Babinchen schluckte und pustete, weil ihr der Schlamm in den Mund gekommen war; als sie endlich Luft bekam, sagte sie tapfer: »Ach, was schadet das, komm nur schnell, schnell heim!« – »Wirst du laufen können?« fragte der Bube besorgt. Die Kleine aber nickte nur, denn das Sprechen war beschwerlich: wenn sie den Mund auftat, lief ihr Schlamm hinein. Heine sah die Freundin stolz an, und er fand, weil diese so tapfer war, sein Plan sei doch ausnehmend gescheit gewesen. »Komm!« sagte er rasch, faßte Babinchens Hand, und beide eilten durch den Wald.

Nach einem Weilchen gebot der Bube: »Leg’ dich einmal auf die Erde, ich klettere geschwind auf einen Baum und sehe, ob wir hier hinüberkommen.« Und wieder gehorchte Babinchen wortlos; in ihrer großen, heißen Angst hätte sie alles getan.

Heine kletterte unbekümmert um Hose und Jacke eine hochgewachsene Tanne empor. Er riß sich die Hände blutig am rauhen Stamm, die schlanke Tanne bog sich unter seiner Last, aber der Försterbube hatte noch jeden Baum bezwungen, auf den er klettern wollte, er kam auch hier hinauf. Nur einige Augenblicke spähten seine falkenscharfen Augen über die Wipfel der niedrigen Bäume hinweg, dann sah er, was da heranzog: eine ungeheure Staubwolke, in der blitzte und blinkte es, er sah Pferde und Menschen: es war kein Zweifel mehr, die Feinde kamen. Aber noch waren sie nicht ganz nahe, noch konnten es die Kinder wagen über die Straße zu laufen. Heine sauste so blitzschnell den Stamm hinunter, daß er unten das Gleichgewicht verlor, Babinchen mitriß und mit ihr etwas unsanft auf dem Waldboden ankam.

Pah, ein paar Löcher, darum kümmerten sich Mädel und Bube in dieser Stunde der Angst nicht, sie schnellten beide wie Gummibälle empor, und fort ging es im Galopp. »Noch ein paar Schritte hinauf,« sagte Heine im Laufen, »dann kommen wir hinüber.« Er hatte Babinchens Hand erfaßt und zog die Freundin mit sich fort.