»Was?« schrie der Fremde, »der Neffe des Grafen Turaillon ist als Wanderbursch davongezogen? Das ist ja empörend! Wie konnten Sie das dulden? Sie werden es büßen müssen! Graf Turaillon wird sich beschweren, daß man seinen Enkelsohn entführt hat. Sie sind ein Räuber, ein Betrüger, ein – –«

»Allweil jetzt halten Sie den Mund,« sagte der Bäcker gelassen, aber seine Augen blitzten drohend, und der schlanke, feine, junge Herr wich unwillkürlich zurück. »Ich hab' der Frau von Steinberg mein Wort gegeben, für ihren Sohn zu sorgen nach ihrem Willen, das hab' ich gehalten, und von Ihrem Herrn Grafen ist nie die Rede gewesen. Was ich getan habe, kann ich verantworten, und nun wär's nur recht, wenn Sie sich mal mein Haus von draußen ansehen möchten, es nimmt sich ganz stattlich aus. Ich muß in die Backstube, und allweil muß erst die Arbeit kommen und dann das Vergnügen.«

»Sie werden noch daran denken müssen,« schrie der junge Mann wütend und verließ das Haus, aber Meister Käsmodel sah ihm ruhig nach. »Ich habe allweil nur meine Pflicht getan, mag kommen, was kommen will!«

Es kam aber nichts danach, nur ein paar Verhöre auf dem Rathaus, bei denen Meister Käsmodel klipp und klar seine Tat verantwortete, und ehe ein neuer Befehl aus Paris eintraf, war Raoul von Steinberg längst in der Heimat seines Vaters angelangt. Paul Neumann aber saß in grimmigster Laune an seinem Schreibpult, — die schöne Hoffnung, nach Paris zu kommen, war zerflossen wie eine Schneeflocke im Frühling.

[Viertes Kapitel.]
Auf Hohensteinberg.

Der Sommer rüstete sich bereits zum Abschiednehmen, weil er schon überall an Hecken und Hängen, im Garten, auf den Feldern und im Walde den Boten seines Bruders Herbst begegnete. Und weil die Sonne in Freundschaft von dem ihr so lieben Sommer scheiden wollte und auch dem Herbst einen guten Willkomm zu bereiten trachtete, strahlte sie in allerbester Laune auf die Erde herab, und es gab warme, schöne Tage. Am späten Nachmittag eines solchen sonnenhellen Tages rasselte über den Marktplatz der kleinen ostpreußischen Stadt Langenstein eine herrschaftliche Kutsche. Ein paar Kinder, die auf der Straße spielten, starrten mit offenem Munde dem Wagen nach, und die Postmeisterin Lebrecht schob neugierig das Schiebefensterchen in ihrer Wohnstube hoch und sah hinaus.

»Minettchen, sieh nur, die Frau Kammerherrin ist's wahrhaftig, die da gefahren kommt. Rasch, Mariell, sieh nach, ob meine Haube sitzt, ich muß dero doch meine Reverenz machen!«