»Nach Hohensteinberg.«
Ein scharfer, prüfender Blick ans den hellen, klugen Augen überflog das Gesicht des Knaben, und eine leise Unruhe trat in die Züge der Kammerherrin. Etwas zögernd fast fragte sie weiter: »Zu wem will er da?«
»Zu dem Freiherrn von Steinberg.«
Sechs Mädchenaugen schauten neugierig, erwartungsvoll den kleinen Fremdling an, und Gottliebes Lippen öffneten sich; aber das vorschnelle Wort blieb ungesprochen, denn die Großmutter sprach wieder, und ihre sonst so herbe Stimme schwankte ein wenig: »Wie heißt er?«
Der Knabe wurde rot. Diesmal kam seine Antwort nicht so rasch, er zögerte, aber dann sagte er doch so freimütig wie vorher: »Ich heiße Raoul von Steinberg!«
Ein dreifacher Aufschrei erfolgte, die blonden Mädels hopsten auf ihrem schmalen Sitz hoch, und der Kutscher vergaß allen sonstigen Respekt vor seiner Herrin. Er drehte sich um und rief mit breitem Grinsen: »Ne—in, is doch nich meechlich, das Jungchen will —«
Die Steinbergs. (Seite 60.)