»Sehr,« gab Raoul zur Antwort, »und gut und tapfer.« Da kam ihm aus einmal das Erinnern an Gottliebs Zorn über den langen Schreiber, und er lächelte in den Gedanken daran ein wenig.

»Du lachst,« schrie Gottliebe erfreut, »dir ist was Vergnügtes eingefallen. Ach, und so was höre ich doch furchtbar gern. Bitte, los, erzähle, ich glaube, dein Gottlieb würde mir gefallen!«

»Natürlich, Gottlieb und Gottliebe, der Bäckerssohn paßt gut zu dir,« ertönte hinter den beiden auf einmal spöttisch Joachims Stimme, er war lautlos im Schnee am Hause entlang gekommen.

Ein heftiges Wort kam Raoul auf die Lippen, aber noch ehe er es ausgesprochen hatte, rief Gottliebe schon empört: »Pfui, wie du bist, Achim, wie hochmütig! Der Bäckerjunge, der ist gewiß sehr nett, vielleicht viel, viel netter und besser als du! Ja gewiß, er ist besser,« trumpfte Gottliebe noch auf, der im Zorn auch leicht Worte entfuhren, die ihr nachher selbst bitter leid taten.

Wortlos, blaß vor Wut drehte sich Joachim um und ließ die beiden stehen, und als er gegangen war, kam Gottliebe die Besinnung, daß sie mit ihrer Heftigkeit alles noch schlimmer gemacht hatte. »Ich bin zu dumm!« klagte sie. »Nun ist Achim fuchswild, und dabei will er immer recht sanft sein und alles gut machen und Frieden stiften und — —«

»Der Mund geht uns immer durch,« sagte Pfarrer Buschmann, der den letzten Ausruf gehört hatte, »was hat's denn gegeben?«

Treuherzig schilderte Gottliebe den Vorgang und stellte sich dabei noch einmal das Zeugnis aus, daß sie sehr dumm sei. »Manchmal stimmt es, aber nicht immer,« sagte der Pfarrer lächelnd und strich über die glühenden Wangen des Mädchens, und dann ging sein Blick von dieser hinweg zu Raoul, der finster in das weiße Land hinausstarrte. »Mußt es nicht zu schwer nehmen, mein Junge. Joachim ist ein Sprudelkopf, aber er kommt schon noch zur Besinnung.«

»Wär' ich doch nie hergekommen!« rief Raoul. »Es wäre schon besser gewesen, ich wäre nach .....« Er stockte, die Tränen stiegen ihm heiß in die Augen; in diesem Augenblick fühlte er tiefer noch als sonst seine Verlassenheit, und hastig drehte er sich um und eilte hinweg.

Traurig sah ihm der Pfarrer nach. »Armer Junge!« sagte er, dann nahm er Gottliebes Hand und schritt mit ihr dem Dorfe zu, und unterwegs sprach er mit dieser von Raoul, und daß der so einsam sei. »Du willst immer eine große Tat vollbringen, Gottliebe,« sagte er milde, »nun sieh einmal, hier könntest du es vielleicht, du könntest mit Geduld und Liebe Raouls Vertrauen zu gewinnen suchen und ihn mit deinen Geschwistern, mit den Berkows versöhnen. Da mußt du freilich dich selbst erst recht beherrschen lernen und darfst nicht verzagen, wenn es nicht gleich geht. Willst du das?«

Über Gottliebes Gesichtchen purzelten die Tränen nur so. »Ich will,« rief sie schluchzend, »ach ja, ich will ja ganz gewiß ein leibhaftiger Friedensengel werden, wenn's nur nicht so gräßlich schwer wäre. Hops! habe ich immer alles vergessen, und ich glaube, ich platze, wenn ich nicht sage, was ich denke.«