Raoul atmete tief auf und verbarg den Brief in seiner Tasche. Ausreißen, — vielleicht wäre es am besten!

[Siebentes Kapitel.]
Der Tugendbund nimmt ein jähes Ende.

Am nächsten Tag wurde der Hausherr zurückerwartet, und da man die Stunde seiner Ankunft nicht genau bestimmen konnte, entlief immer mal eines der Kinder der Stunde bei dem Pfarrer, und der ließ sie laufen und den Weg entlang spähen, ob der Vater noch immer nicht kam.

Auch seine Frau und seine Mutter sahen öfters hinaus, Frau Maria in doppelter Sorge: sie besaß einen Bruder, der um einiger Schriften willen das Land hatte verlassen müssen. Er war nach England gegangen, um dort zu warten, bis es Zeit war, in sein Vaterland zurückzukehren. Von diesem Bruder sollte auf dem Seewege nach Königsberg eine Nachricht kommen. Seit vielen Wochen hatten die Verwandten nichts von ihm gehört, und nun hoffte Frau Maria, ihr Mann werde einen Brief mitbringen.

Auch Joachim dachte an diesen Onkel Wolfgang, den er sehr bewunderte, und mitten in der Stunde — er war mit Raoul und Arnold von Berkow allein beim Pfarrer — sagte er plötzlich: »Ist's nicht eine Schande, daß der Oheim außer Landes gehen mußte?«

Pfarrer Josua Buschmann nickte trübe: »Das ist's, mein Sohn. Er war aber auch recht unvorsichtig in seinem Tun!«