»Mein Freund Gottlieb Käsmodel aus Leipzig,« sagte Raoul, denn Gottlieb war ganz verstummt. »Wir sind zusammen gekommen.«
»Auch nicht älter?«
»Nein!«
»Na, dann muß der schon heimziehen, nur Jungen können wir doch nicht gebrauchen. Ist er ein einziger Sohn? Was ist sein Vater?«
»Ja, sein Vater ist Bäckermeister in Leipzig.«
»Ein gutes Gewerbe! Zieh heim, mein Sohn, und hilf dem Vater ordentlich,« sagte der General freundlich.
Raoul atmete tief auf, dann trat er einen Schritt vor, und seine dunklen Augen unverwandt auf den General gerichtet, rief er: »Wir müssen beide mit. Der Gottlieb ist mein Freund, ich hab's ihm gelobt, zusammen oder — nicht.« Seine Stimme schwankte. »Er hat noch mehr Kräfte als ich, wir halten's beide ganz bestimmt gut aus!«
Nun irrte sein flehender Blick zu seinem Oheim hin, und dessen Herz schlug.
So war seines Bruders Sohn, so treu, so tapfer! Er trat an den General heran und erzählte ihm leise kurz des Neffen Geschichte, und immer wohlwollender ruhten die hellen Reiteraugen des Generals auf den beiden Knaben. »Uns wird's nicht fehlen, Kameraden,« sagte er zu den umstehenden Offizieren, »wenn solche Jugend für des Vaterlandes Freiheit ficht. Tretet jetzt zurück und wartet draußen, ihr beiden, ich werde an eure Sache denken.«
Und nebeneinander, Raoul größer, schlanker, Gottlieb kleiner und untersetzter, mit brennenden Wangen und strahlenden Augen gingen beide durch den Saal und harrten dann vor der Türe in Zuversicht, daß sich ihr Schicksal entscheiden werde. »Der Oheim zürnt nicht,« sagte Raoul leise, froh.