Die Steinbergs. (Seite 164.)

Doch schon am nächsten Morgen drangen die Verbündeten von drei Seiten auf die Stadt ein. Laut brauste der Jubel der Einwohner ihnen entgegen. »Sieg, Sieg, Sieg!« hallte es durch die Straßen, jeder fühlte, daß der Sieg der Franzosen nur neues Leid, neue Schmerzen bedeutet hätte. »Sieg, Sieg, Sieg!« läuteten die Glocken und übertönten das Stöhnen und Ächzen der vielen Verwundeten, die, ein Obdach suchend, durch die Stadt irrten.

An alle Türen klopften Hilfesuchende, und bald war alles überfüllt. Auf den Straßen, den Friedhöfen lagerten die Unglücklichen, frierend, hungernd in der rauhen Luft des Oktobertages. Die Bürger nahmen auf, so viele sie konnten, aber Mangel und Not waren so groß, daß selbst die wohlhabenden Leute nur knapp zu essen hatten. Auch Meister Käsmodel hatte das Backen einstellen müssen; er war ein Bäcker ohne Mehl, nur für das eigene Hans gab es noch einen kümmerlichen Vorrat. Dafür lagen in den Stuben Verwundete, und die braven Meistersleute sorgten, so gut sie es vermochten, für die Unglücklichen. Nur Gottliebs und Raouls Kammer war unbesetzt, die Betten standen bereit. »Wenn die Jungen heimkommen, sollen sie doch ihr Unterkommen haben,« hatte die Meisterin gesagt.

Und bei jedem Klopfen an der Türe schraken Mann und Frau zusammen und liefen hinaus, und immer wieder kehrten sie enttäuscht zurück, — die Erwarteten kamen nicht.

Gegen Abend des 19. Oktober klopfte es wieder laut an die Haustüre, und als der Meister hinauseilte, sah er einen hochgewachsenen preußischen Offizier draußen stehen. Er leuchtete ihm mit seinem Laternchen forschend ins Gesicht, der Offizier fragte: »Bin ich hier recht bei Meister Käsmodel?«

»Das stimmt,« sagte der Meister. »Wenn ich nur wüßte, wo ich das Gesicht schon sah!«

»Steinberg ist mein Name,« erwiderte der Fremde, »ich —«