»Daß mich das Mäuschen beißt, das ist doch alleweil der Oheim von unserm Raoul!«

»Sie haben mich also doch erkannt?« fragte Herr von Steinberg, der war es wirklich.

»Treten Sie ein, Herr Baron,« sagte der Meister. »Unsere Frau von Steinberg, Gott hab' sie selig, hatte ein Bild von ihrem Manne, dem gleichen Sie aufs Haar.« Er ließ den Gast vorangehen und schloß dann eilig wieder die Türe, denn schon drängten andere in den Lichtschimmer des Laternchens. Rasch prüfte des Meisters Blick den Freiherrn, der bleich und erschöpft aussah. »Mir scheint's, Sie brauchen Ruhe!«

Herr von Steinberg nickte. »Die brauchen wir wohl alle. Ich bin auch verwundet an der Schulter, es ist nicht arg; doch darum kam ich nicht. Ihr Sohn Gottlieb liegt verwundet in einer Scheune bei Gohlis, ich komme, Sie zur Hilfe holen.«

»Mein Junge,« schrie der Meister, »er ist verwundet, aber er lebt? Sagen Sie mir, daß er lebt!«

»Ich hoffe, er lebt,« sagte der Freiherr ernst. »Ich sah ihn selbst nicht. Heute in der Frühe erhielt ich Botschaft: mein Neffe Raoul hatte gestern schon einen Ordonnanzoffizier gebeten, wenn er mich treffen sollte, mir diesen Zettel zu bringen.« Herr von Steinberg gab dem Meister einen Zettel, auf dem stand in eiliger Schrift: »Gottlieb Käsmodel liegt in einer Scheune links von Gohlis, drei Bäume stehen rechts, in der Nähe ist ein Wassertümpel. Wenn Sie nach Leipzig kommen, sagen Sie es, bitte, Meister Käsmodel, lieber Onkel. Raoul.«

»Und Raoul?« fragte der Meister zurück.

Der Freiherr zuckte die Achseln. »Ich habe nichts mehr von ihm gehört, der Zettel kam nur durch einen glücklichen Zufall in meine Hände. Sein Regiment soll große Verluste gehabt haben. Wer kann in diesem Wirrsal wissen, wo der ist und jener! Ich weiß auch nichts von meinem Sohn.«

»Einen Wagen kann ich wohl beschaffen,« sagte der Meister hastig, »aber werde ich hinauskommen?«

»Ich werde Sie begleiten, vielleicht gelingt es mir, uns Durchfahrt zu verschaffen.«