»Das ist allweil mein Gottlieb, der singt,« schrie der Meister und stürzte voran. »Gottlieb, Junge, bist du's?« rief er in die dunkle Scheune hinein, und jubelnd klang es zurück: »Vater, Vater, hier!« Dann brach die Stimme jäh, und viel matter tönte es nach: »Wir versingen uns Schmerzen und Hunger!«

Mit seinem Laternchen leuchtete der Meister voran. Da kauerten zwei im Winkel, und einer lag stöhnend daneben. »Ist Raoul dabei?« rief Meister Käsmodel.

»Nein!« antwortete Gottlieb und richtete sich etwas auf, »der hat mich nur herausgehauen, aber feste! Vater, wär' ich der König, dreimal kriegte er das eiserne Kreuz. Am Abend hat er mich dann hierhergeschleppt, aber wo er jetzt ist, das weiß ich nicht,« fügte er leiser hinzu.

»Die Unseren sind weiter gezogen,« sagte der zweite, der im Winkel kauerte, und als der Meister ihm ins Gesicht leuchtete, erkannte er in ihm den einen der Hallenser Studenten. »Ich bin's, Herr Meister, und mein Bein ist zerschossen, aber Viktoria, wir haben gesiegt!«

»Das stimmt allweil,« brummte der Meister und hob sacht seinen Sohn auf, »aber jetzt gilt's die Glieder zusammenflicken. Komm, Junge, ich trag dich, Mutter wartet schon auf dich.«

»Aber meine Kameraden müssen mit,« bat Gottlieb ächzend, dem das Aufheben bittere Schmerzen bereitete, »zwei Tage und Nächte liegen wir schon zusammen, wir müssen zusammen bleiben.«

»Allweil, das versteht sich, Junge,« sagte der Meister und biß die Zähne zusammen, um seinem Sohn nicht zu zeigen, wie sehr der ihn jammerte.

Herr von Steinberg half, und bald lagen die drei im Wagen, und die beiden Männer schritten nebenher; das magere Pferdchen hatte schwer genug an den Verwundeten zu ziehen.

Der Rückweg über das Schlachtfeld und durch das erstürmte Tor war im Morgengrauen noch fürchterlicher, aber es ging nun schneller vorwärts, und ernst und schweigsam langte der Zug noch am Vormittag am Bäckerhause an. Die Mutter unterdrückte tapfer jede Klage, als sie ihren Sohn wiedersah. Der lachte sie aber trotz aller Schmerzen an: »Mutter, wir haben gesiegt, und das da heilt schon. Wenn ich nur wüßte, wo Raoul wäre!«