Ein Lächeln ging über Joachims bleiches Gesicht, dann schloß er aufseufzend die Augen: der andere hatte recht, aber ja, er hatte auch gedacht, Blücher selbst oder York der Eiserne müßten seinen Heldenmut anerkennen.
Da klang wieder Gottliebs Stimme zu ihm herüber: »Erzähl' doch, wie war's bei dir, oder bist du zu schwach?«
»Nein,« murmelte Joachim sich zusammennehmend, »aber ich habe nicht viel zu erzählen. Immer habe ich einen Posten auf verlorener Stelle gehabt, habe Wache stehen müssen und dergleichen, habe alles nur von ferne gesehen. Nun sollten wir drankommen, hier bei Leipzig, sollten einen gefährlichen Ritt machen und einen wichtigen Punkt besetzen. Kaum sind wir ausgeritten, da fühle ich ein Sausen, einen heftigen Schmerz — und schon lag ich am Boden; ich hörte nur Schreien, Schießen, dann verlor ich die Besinnung, auf einem Karren erwachte ich wieder. Das war alles!«
»Na, ich danke,« rief Gottlieb, »Wache stehen während einer Schlacht ist kein Zuckerbrot, und fallen muß jemand; wärst du's nicht gewesen, hätte es einen andern getroffen. Weißt du, als ich so fuchswild und wütend in der Scheune lag und mich nicht rühren konnte, da habe ich gedacht: Na, all die Wut, all die langen, langen Stunden, — schließlich einer muß es leiden, da war ich es eben, und fürs Vaterland war es auch. Gesiegt haben wir doch, und dabei waren wir!«
»Erzähl mir von Raoul,« bat Joachim plötzlich, und dann lag er still mit geschlossenen Augen und ließ sich von dem Vetter erzählen, wie sich der so tapfer durchgeschlagen hatte als Schreiberlein und dann nicht nach Paris gewollt hatte. Wenn Gottlieb auf Raoul kam, dann fand er so leicht kein Ende, und er hätte wohl noch lange erzählt, wenn die Mutter nicht gekommen wäre und Ruhe geboten hätte.
»Kranke brauchen Schlaf,« sagte sie. Und Gottlieb schloß auch gehorsam die Augen. Er fand trotz der Wunde bald Ruhe; es lag sich so gut nach all den harten Kriegslagern in der stillen Kammer des Vaterhauses. Aber Joachim lag lange, lange noch wach; Fieber und Schmerzen peinigten ihn qualvoll, und doch dachte er zum erstenmal nicht an sein Leid, sondern an den großen errungenen Sieg, und eine tiefe, heilige Freude kam über ihn, und Gottliebs Wort klang in ihm nach: »Fürs Vaterland war es auch!«