»Ich glaube, du sagst wie Gottliebe, du platzt vor Neugier,« erwiderte Arnold und begann ausführlich zu erzählen, was er von den Steinbergs wußte, von Joachims Verwundung, auch wie Gottlieb aufgefunden wurde.

»Armer Joachim,« sagte Raoul ernst, »er ersehnte den Ruhm und ist nun nie so recht dabei gewesen! Doch was schreibt Gottliebe? Du sagtest doch, es wäre ein Brief von ihr für mich da?«

»Da, du Nimmersatt!« Arnold reichte ihm den Brief, und Raoul erbrach ihn rasch und las: »Lieber, böser Raoul, das ist nun der dritte Brief, den ich an dich schreibe, immer denke ich, einen mußt du doch erhalten, und einmal mußt du mir antworten. Wir haben alle viel Sorge um dich, und Großmutter sagte oft, als sie jetzt krank war: Könnte ich Raoul nur einmal noch sehen! Jetzt reden wir noch mehr von dir, seit Joachim wieder da ist und Gottlieb mitgebracht hat. Achim sagte gestern zu mir: Ich wollte jetzt, Raoul wäre mein Freund. Es war sehr schlimm bei uns, weil alle Leute so arm sind und wir so viele, viele Sorgen hatten, aber als wir von den Siegen hörten, da wurden wir alle froh. Ich wollte aber doch, der Krieg wäre bald zu Ende und der Vater käme heim und du, Raoul, und es würde nie, nie mehr Krieg. Wenn Achim und Gottlieb davon erzählen, muß ich immer weinen, und weißt du, ich war einmal so dumm und wollte mitziehen, das hätte ich doch nicht fertig gebracht. Hier sind alle gesund, nur die Großmutter ist viel krank gewesen. Sie lassen dich alle grüßen, sie sehnen sich alle nach dir. Ich bete jeden Abend für dich. Ach Raoul, möchtest du doch gesund bleiben und bald wiederkommen!

Deine Base Gottliebe.«

Raoul war beim Lesen an das Fenster getreten, nun ließ er den Brief sinken und starrte auf die belebte Straße von Paris hinab. Er sah aber nichts von all dem bunten, fremdartigen Leben da unten, er war mit seinen Gedanken weit, weit weg, und eine große Sehnsucht überkam ihn nach dem Vaterland, nach den Menschen, die er lieb hatte. Er reckte sich und breitete die Arme aus: »Ach ja, es wäre gut, wenn es erst Frieden würde!«

»Und wir daheim,« rief Arnold von Berkow, und Oswald nickte: »Ich wär's zufrieden, bei Gott, es wäre gut.«

Die drei verlebten als gute Kameraden in Paris viele Stunden miteinander, bis endlich der Tag kam, da auch sie heimwärts ziehen konnten, zurück in das befreite Vaterland.

In Hohensteinberg war mit der Nachricht, daß endlich Friede geschlossen war, die rechte Sommerfreude eingekehrt. Endlich hatten sie alle wieder einmal Zeit, sich an dem Blühen, Wachsen und Reifen ringsum zu freuen, und auf den Feldern, über die vor zwei Jahren die Heere gestampft waren, wogte jetzt das Korn, und an den Rändern blühten rot und blau friedlich die Sommerblumen.

»Die Ernte steht gut,« sagte Herr von Steinberg froh, als er an einem sonnenhellen Junitag vom Felde heimkam, »es wird hoffentlich ein gutes Jahr werden.«