Kaum war der Onkel weg, da kam Hulda wieder. Tante Eva sagte: „Nun spielen wir noch Lotto.“
Vor dem hübschen Bilderlotto riß das Heimweh ein bißchen aus; die Buben wurden wieder ganz vergnügt. Während Eva mit ihren Gästen im Wohnzimmer spielte, sagte Hulda gnädig zu Ida: „Ich will mal bei den Buben aufräumen!“ Und dann ging Hulda in das Bubenzimmer, räumte auf und — las die drei Briefe, die Mathes und Peter geschrieben hatten.
Die gute Hulda war nämlich neugierig wie eine Elster, sie wollte wissen, was diesmal von ihr in den Briefen stand.
Sie las und freute sich. Da stand: „Hulda liben wir fuhrchbar.“ Na, das hörte sich doch anders an als „ekliger Affe“. Hulda las die Briefe von Anfang bis zu Ende, und obgleich sie auch mit der Rechtschreibung ein wenig auf Kriegsfuß stand, dachte sie doch: Na, na, Buben, Fehler macht ihr aber arg viele!
Doch was stand denn da?
Hulda las den Satz einmal, zweimal, ja, sie las ihn zum drittenmal, und ganz bestimmt, er lautete: „Der Ziehgeuner siht aus wie Tante Efa, und erst hat er mal blond ausgesän.“
„Dumme Jungen!“ brummelte Hulda. Sie legte den Brief weg, nahm ihn wieder auf, schüttelte immer mehr den Kopf, und dann setzte sie sich plötzlich auf einen Stuhl; sie konnte nicht mehr stehen bleiben, so sehr war sie vor ihren eigenen Gedanken erschrocken. „So was, das ist doch nicht möglich!“ Hulda hatte die Gewohnheit, manchmal mit sich selbst zu sprechen; sie tat das jetzt auch und sagte tief seufzend vor sich hin: „Dumme Jungen! Der Zigeuner unserm Fräulein Eva ähnlich! O du lieber Himmel, auf was für närrische Gedanken kommt man noch! Nä nä, so was, so was!“
Hulda vergaß, daß sie das Abendessen herrichten wollte, sie vergaß den grauen Regentag, die Sternbuben und noch vielerlei, sie dachte nur immer an einen blonden Buben, den sie so lieb gehabt hatte wie ein eigenes Kind. „Fritz, mein Fritz,“ klagte sie, „wärst du doch nicht in die weite Welt gegangen!“
Draußen regnete es immerfort, doch auch innen im Zimmer gab es ein Regengüßlein. Hulda weinte, sie hielt sich die Schürze vor das Gesicht und weinte bittere Tränen hinein, und ein paar tropften auf Mathes Brief, und es wurden große Flecke daraus. So weinend fand sie Ida, die kam, an das Abendessen zu erinnern.
„Hulda!“ rief sie erstaunt, „was ist denn los? Haben gar die Jungen wieder frech geschrieben?“