Eva von Ringewald ärgerte sich wirklich. Huldas üble Laune begriff sie gar nicht. So war Hulda doch sonst nie. Was hatte sie nur! „Fehlt Ihnen etwas?“ fragte sie.

„Ach du lieber Himmel, mir ist das Herz so schwer!“

„Ja, aber dann hätten wir doch nicht hierhergehen sollen!“

„Doch doch, gerade hierher! Nur mit dem Kaffeetrinken dürfen wir nicht warten, ja nicht, ich halt’s nicht mehr aus.“

Daraus sollte nun einer klug werden. „Hulda kann ja Kaffee trinken, und wir holen sie ab,“ schlug Mathes vor, den das Zaubertheater just mehr lockte als die Kaffeeschenke.

„Nee, nee, alle müssen mit. Und — vielleicht ist auch der Zigeuner da, den sehen wir uns an.“

Eva gab wieder nach. Sie fühlte, Hulda hatte irgend etwas auf dem Herzen, irgend etwas bedrückte sie, und sie wollte die treue Seele nicht kränken. Sie schlugen also den Weg zur Kaffeeschenke ein, und bald betraten sie den Raum, Hulda seufzend, die Buben verdrießlich und Eva mit dem Gedanken: Es wäre wirklich besser gewesen, gar nicht auf die Messe zu gehen.

Es war noch ziemlich leer, doch die Zigeuner saßen wirklich schon mit ihren Instrumenten da und spielten.

Da horchte Eva auf. Eine der Geigen sang und klang so schön und traurig, daß ihr das Herz zu zittern begann. Jetzt schwiegen die andern, und nur diese eine Geige tönte, leise, zart, unendlich süß; es klang, als weine ein Mensch vor Heimweh und Leid bitterlich.

Eva ließ sich von Hulda sacht vorwärtsschieben, immer näher der kleinen Bühne, auf der die Zigeuner saßen. Der, der spielte, drehte dem Saal ziemlich den Rücken zu, sein Gesicht hielt er tief geneigt, nur seine dunklen Haare waren zu sehen.