Den Buben kollerten die Augen beinahe aus dem Kopf, so sehr mühten sie sich, ihren Zigeuner herauszufinden. Aber da Hulda immer tuschelte: „Leise, leise!“ gingen sie ängstlich auf den Fußspitzen, und es war schon merkwürdig, daß sie so einen Tisch erreichten, ohne über etwas zu stolpern. Auch setzen taten sie sich ohne viel Lärm, dann aber wollten sie sprechen, und wieder mahnte Hulda: „Still, still!“ Ja, sie hielt ihnen sogar den Mund zu, was beide furchtbar ärgerte. Solche kleine Hosenmätze waren sie doch wirklich nicht mehr. Sie sahen Tante Eva bittend an, die sah aber nichts, die hörte nur die Geige klingen und singen. Ihr liebes Gesicht wurde blaß, und ihre Augen füllten sich mit Tränen; sie mußte an den Bruder denken, an den fernen, verlorenen, der ein Künstler hatte werden wollen. Und die Geige sang und klang immerzu.
„Das da ist er!“
Trotz Huldas Mahnungen, trotz dem Mundzuhalten schrie Mathes laut, und sein Finger zeigte dahin, wo die Zigeuner saßen. Auch Peter hob den Finger, und Eva wollte ihnen dies gerade verweisen, als der Zigeuner sich umdrehte und nach dem Tisch hinübersah.
„Er kennt uns!“ riefen die Buben.
Die Geige gab einen wunderlichen Ton. Srrr! Wie ein Schrei klang’s; zwei Saiten waren gesprungen, und der Zigeuner ließ den Bogen sinken.
Er starrte unverwandt Eva von Ringewald an, und die sah zu ihm auf. Totenbleich war sie geworden.
„Er ist’s wirklich und wahrhaftig, Fräulein Eva!“ murmelte Hulda. „Der dumme Junge, der Mathes, hat doch recht gehabt.“
Eva stand auf. Sie ging durch den Saal an den Tischen vorbei, an denen fremde Menschen saßen, dem Ausgang zu. Und oben auf der kleinen Bühne nahm der Zigeuner die Geige unter den Arm und lief auch hinaus.
Nun geschah etwas sehr Merkwürdiges, was Mathes und Peter in die allerhöchste Aufregung versetzte. An der Türe gaben sich Eva und der Zigeuner die Hand, und dann gingen sie beide so Hand in Hand hinaus, und draußen nahm das bunte Gewühl der Messe sie auf — fort waren sie.