„Ja, ja, Jungchens, die finden wir schon! Und vielleicht ist sie auch nach Hause gegangen, und ihr wollt doch noch Luftschaukel, Karussell und Rutschbahn fahren und Kasperle sehen, auch ’ne Trommel könnt ihr kaufen und ’ne Trompete oder sonst was. Wenn’s auch lärmt, das schadet nichts. Und dann gehen wir noch zum Mann mit zwei Köpfen. Nee, vielleicht ist das ’n Kalb, oder vielleicht sind’s vier Beine und nicht zwei Köpfe, was auch erstaunlich wunderbar ist.“
„Aber Hulda,“ schrie Mathes, „ein Kalb hat doch immer vier Beine!“
„Ja, ja, meinetwegen sechse!“ Hulda trank und trank aus ihrer Tasse, dabei hatte sie gar keinen Kaffee mehr drin, und als die Buben darob lachten, lachte sie ganz laut mit, aber dann liefen ihr doch wieder die Tränen über die Backen, und sie brummelte vor sich hin: „Das ist ’n Tag, ach du lieber Himmel, was wird meine liebe gnädige Frau sagen!“
Mathes und Peter fanden Hulda sehr sonderbar, aber die verheißenen Herrlichkeiten lockten sehr, und sie bettelten: „Komm doch, vielleicht finden wir Tante Eva dort!“
„Ja, ja, wir wollen gehen. Vielleicht wollt ihr auch noch die Wachsfiguren sehen.“ Etwas viel hatte sich Hulda schon für diesen Nachmittag vorgenommen. Der hätte von Gummi sein und sich über drei Tage hinziehen müssen, um alle Pläne ausführbar zu machen. Und nachher hatte Hulda im Zaubertheater nicht einmal bis zum Ende Geduld. Es sei langweilig, behauptete sie, und als die Vorstellung zu Ende war und die nun dachten, jetzt kommen die Affen, der fressende Mann, Kasperle, die Lichtspiele und die Luftschaukel dran, rief Hulda: „Jemine, schon so spät! Wir müssen jetzt rasch nach Hause gehen, und überhaupt, ohne Fräulein Eva ist es doch nichts!“
Es blieb kaum noch Zeit, um Trommel und Trompete zu kaufen. Hurlebusch! ging das, und die Sternbuben liebten doch das lange Aussuchen sehr. „Sputet euch, schnell, schnell, wir müssen nach Hause, es wird dunkel!“
„Nee, Madamchen, das wird nicht so schnell dunkel,“ sagte die Trommelfrau, „das bleibt noch lange hell.“
„Unsinn, gleich wird’s dunkel!“
„Na, so was!“ Die Trommelfrau ärgerte sich. „Sie sind wohl dem heiligen Petrus seine Tante, daß Sie das besser wissen als unsereins?“ brummte sie. „Die jungen Herren wollen sich doch ordentlich was aussuchen für ihr Geld. Vielleicht noch ’ne kleine Drehorgel gefällig und für jeden ’ne Mundharmonika?“
Die „jungen Herren“ fuhren den Sternbuben gewaltig in die Nase. So waren sie noch nie genannt worden, und vor lauter Dankbarkeit hätten sie der Frau am liebsten ein Dutzend Musikinstrumente abgekauft. Doch darüber ließ sich mit Hulda nicht reden; die tippte einfach auf eine Trommel und eine Trompete, sagte: „Die sind gut!“, zahlte geschwind, und fort ging es.