Hulda sagte am nächsten Morgen: „Es ist heute wie Feiertag.“
„Ja, wie ein Osterfeiertag,“ antwortete Eva von Ringewald, „ein Ostertag, an dem man den Frühling schon auf allen Wegen kommen sieht und meint, so hell habe die Sonne nie geglänzt und so köstlich haben die Veilchen nie geduftet.“
In den Herzen der Sternbuben bimmelten an diesem Tage auch kleine Freudenglocken sehr lustig, und sie kamen aus dem Lachen und Vergnügtsein gar nicht heraus. Gleich am Morgen fing es an. Da saß der Zigeuner am Frühstückstisch, und er war wieder blond und nicht mehr schwarz, denn er hatte sich die Farbe aus den Haaren herausgewaschen. Er wollte Onkel Fritz genannt sein und schloß mit den Buben gleich eine feste, gute Freundschaft. Und dann sagte die Tante Pate, heute früh müßten die Buben das große Denkmal sehen, sie wolle zu Hause bleiben.
„Das will sie nur, weil der Herr Brummerjan kommt, sie will ihn erst versöhnen,“ murmelte Hulda. Sie dachte gewiß, hören kann das kein Mensch, aber Mathes und Peter hörten manchmal Dinge, die sie eigentlich nicht hören sollten. Also verstanden sie auch Huldas Rede. Herrn Brummerjan gingen sie gern aus dem Wege, doch Eva und Fritz von Ringewald sagten beide: „Heute gehen wir nicht.“ Aber dann kam gerade, als die Buben in den Garten geschickt werden sollten, Annedore und bat, sie sollten mit ihr in den Zoologischen Garten gehen.
„Allein?“ Die alte und die junge Tante machten beide höchst bedenkliche Gesichter, doch Annedore erklärte flink und froh, sie würde schon auf die Buben aufpassen und sie gut wieder heimbringen; man könne ganz ohne Sorge sein.
„Hoho!“ Onkel Fritz lachte dazu. „Das sind mir Buben, müssen sich beschützen lassen!“ neckte er.
Mathes und Peter ärgerten sich. Sie steckten beide trotzige Mienen auf und wollten eben sagen: „Wir können allein gehen,“ als Tante Eva dazwischenredete. „Sie sind doch fremd hier, und wenn ich fremd in einer Stadt bin, dann lasse ich mich auch führen.“
„Wir passen gegenseitig auf uns auf.“ Annedores freundliches Lachen verscheuchte allen Bubenzorn. Mathes und Peter wurden wieder vergnügt, und beide sagten sie gnädig: „Wir passen auf dich auf.“
In schönster Eintracht zogen sie von dannen. Unterwegs erzählte Annedore, bei Herta wäre es gestern langweilig gewesen, furchtbar langweilig. Die Buben bedauerten sie darob sehr, und in diesem Augenblick kamen schwipp, schwapp! Herta und Irene wie zwei Bachstelzen die Straße entlang gewippt.
„Da kommen sie!“ rief Herta.