In diesen Vororten, im Umkreis der Fabriken, hatten die Straßen meist lange, einreihige Häuserreihen; wie das Breitenwärter Löwengäßle sah keine aus. Und als die Buben seufzten und sich nach Gärten umsahen, guckten, ob nicht ein paar Bäume hinter einem Mäuerlein schatteten, da führten Tante Eva und Onkel Fritz sie in andere Straßen. Da lagen still und verträumt Eigenhäuser in schönen Gärten; manch eins sah wie ein kleines Schloß aus, und die Buben vergaßen beinahe den Silbernen Stern und wünschten sich, in einem solchen Haus zu wohnen. An der nächsten Straßenecke hatten sie dann freilich den Wunsch schon wieder vergessen, weil Fritz von Ringewald versprach: „Morgen führ’ ich euch zum Onkel, dort werdet ihr ein Stück unserer Bücherstadt sehen.“

Das Wort machte Mathes und Peter sehr neugierig, denn eine Bücherstadt konnten sie sich nicht gut vorstellen. Sie fragten Hulda später, was es bedeute, und Hulda, die lieber kochte und strickte als las, sagte ein bißchen von oben herab: „Ach, da sind eben die Häuser mit Büchern vollgestopft wie mein Wäschesack mit Flickwäsche!“

In ganz Breitenwert gab es eine Buchhandlung, außerdem hatte der Onkel Adam nur noch Schulbücher zu verkaufen, und als die Sternbuben am nächsten Morgen in die Bücherstadt wanderten, dachten sie sich die wie den Breitenwerter Buchladen. Es gab aber nur Häuser und wieder Häuser zu sehen. Vor vielen standen Wagen, auf die große Pakete geladen wurden, und die Buben waren schon ein bissel enttäuscht, als Tante Eva in eins der großen Häuser eintrat. Eine Treppe ging’s hinauf, oben gab es ein paar Türen mit allerlei Aufschriften; an einer klopfte Onkel Fritz, und als er sie öffnete, sahen die Buben drinnen ein paar Herren sitzen, die eifrig schrieben. Der Onkel war noch nicht zu sprechen, aber einer der Herren führte die Besucher durch allerlei Räume. Zimmer neben Zimmer, und in allen lagen Bücher hochaufgestapelt bis zur Decke.

„Wenn ihr das alles lesen müßtet!“ sagte Tante Eva neckend.

Mathes und Peter erschraken, und sie waren froh, als ein Fräulein kam und meldete, Herr Buchner hätte jetzt keine Zeit, er schickte aber eine Karte mit, dort sollten sich die Knaben umschauen.

„Dann sehen wir uns also noch nach mehr Büchern um,“ sagte Tante Eva.

Noch mehr Bücher!

Gab es denn die?

Onkel Fritz lachte über die erstaunten Gesichter der Buben. „Ja, ja, wir gehen in ein Haus, das ist vollgestopft mit Bilderbüchern.“

Aber Onkel Fritz hatte etwas geflunkert. Das Haus war eigentlich eine Straße, und wie in einer Straße liefen die Menschen drin hin und her, hinaus, herein; es hatten’s alle eilig. Ein Mann stand an einem breiten Fenster und gab immer Pakete hinaus; drinnen waren Bücher, nur Bücher. Große Ballen Bücher wurden verladen und ausgeladen. Bücher waren in Sälen aufgestapelt, und wenn Tausende von Büchern auf zwei Beinen dahergelaufen wären, die Sternbuben hätten sich nicht mehr gewundert.