Es war doch anders als im Breitenwerter Buchladen!

Onkel Fritz sagte: „Wenn ihr beide nun alles lernen müßtet, was in den Büchern steht!“

Schon vor dem Lesen hatten die Buben Angst gekriegt, aber nun auch noch lernen, was in den Büchern stand! Jemine, das wäre schrecklich!

Mathes seufzte tief. Doch plötzlich fiel ihm etwas ein, und er rief: „Ich werd’ mal Wirt vom Silbernen Stern, und Mutter sagt, da braucht man net so arg lange lernen.“

Peter schwieg. Die vielen Bücher machten einen gewaltigen Eindruck auf ihn, er wurde sehr still, es war ihm ordentlich ein bißchen feierlich zumute, und als er wieder auf die Straße trat, sah er sich ehrfurchtsvoll nach dem großen Haus um. Ein Stückchen weiter ging’s, da stand wieder so ein Riesengebäude, und Onkel Fritz erklärte: „Dort innen werden die Bücher gedruckt.“

Er ging auf das Haus zu, gab seines Onkels Karte ab, und ein Mann führte sie alle miteinander in einen großen Saal. Nur hier könnten sie hineinsehen, sagte er, aber für die Sternbuben war das schon genug. In dem Saal surrten und sausten große Maschinen, die arbeiteten flinker als hundert Hände. Weißes Papier kam hinein, gedruckte Bogen kamen heraus, klipp klapp! Stoß um Stoß. Die Maschinen sahen wie lebendig aus. Sie redeten ganz emsig, schienen immer zu sagen: Flink, flink, flink! Sputet euch, sputet euch! Und die Arbeiter und Arbeiterinnen, die daran standen, sputeten sich auch. Es war gar nicht zu unterscheiden, wer in dem Saal zur Arbeit antrieb, die Maschinen oder die Menschen.

Und doch waren es die Menschen. Auf einmal durchzitterte ein schriller Klang den großen Raum und klapp, klapp! da standen die Maschinen stille. Sie riefen nicht mehr „Flink!“ und „Sputet euch!“ sie waren stumm geworden. Aber die Menschen redeten miteinander, ein paar lachten, viele liefen eilig davon. Es war Mittagspause, und auch Fritz und Eva traten den Heimweg an. Unterwegs führten sie die Buben noch in einen großen Buchladen. Gegen den wäre nun freilich der Breitenwerter Buchladen fast wie ein Zwerg erschienen, wenn er sich daneben gesetzt hätte. Tante Eva kaufte ein Buch, bunte Bilder hatte es, und zur Kurzweil für der Buben Heimreise sollte es sein. Während sie kaufte, konnten sich Mathes und Peter recht umschauen. Mathes seufzte wieder, die vielen Bücher wurden ihm langweilig, sie ängstigten ihn, aber Peter bekam Kulleraugen. Er dachte, es müßte behaglich sein, in so einem großen Buchladen zu sitzen und jedem, der kam, ein wunderfeines Büchlein zu verkaufen. Tante Eva mußte ihn dreimal rufen, ehe er sich zum Hinausgehen entschloß, und kaum war er draußen, da rief er: „So ein Lädle will ich mal haben; das gefällt mir.“

Fritz von Ringewald, der kein Buchhändler hatte werden wollen, weil er seine Geige zu sehr liebte, sagte doch: „Dann wirst du etwas Tüchtiges, Peter. Halt dran fest! Auf meiner Wanderschaft bin ich weit herumgekommen; so viele Buchläden wie in Deutschland habe ich kaum irgendwo gefunden. Das hat mich immer stolz gemacht, weil ich daran erkannte, daß wir vorangehen in der Welt.“ Und ganz leise, nur Eva konnte es hören, fügte er hinzu: „Dem Onkel hab’ ich manch bitteres, trotziges Wort im stillen abgebeten. Doch nun heim, und heute nachmittag —“

„Das Denkmal sehen,“ fiel Eva ein, „sonst fahren sie ab und haben es nicht gesehen.“

Es war schon beinahe eine Reise hinaus zum Völkerschlachtdenkmal, das weit draußen im Osten der Stadt liegt. Unterwegs erzählte Eva den Buben von der gewaltigen Schlacht der Völker, von dem großen Befreiungskampf gegen Napoleon. Und die Buben verrenkten sich bald die Hälse, um das riesengroße Denkmal ja bald zu sehen. Sie dachten, bis zum Himmel müßte es reichen, und als sie dann ausstiegen und vor dem großen Steinkoloß standen, schwiegen sie muckstill.