Die junge Tante, die diesmal allein mit ihren Schützlingen hinausgefahren war, wartete auf etliche Ah- und Ohrufe, und als die nicht kamen, fragte sie: „Nun, was sagt ihr, gefällt es euch?“

Da guckten die wunderfitzigen kleinen Buben aus dem Breitenwerter Löwengäßle das große Steindenkmal von oben bis unten an und riefen geringschätzig: „Arg groß ist das aber net, unser Kirchturm ist höher!“

Und dabei blieben sie. Eva erstieg mit ihnen die hohen Steintreppen, ließ sie das Denkmal von innen und außen beschauen, und die Bübles nickten und freuten sich, aber weil das Denkmal nicht bis zum Himmel reichte, fanden sie es doch nicht so groß wie den Turm der Breitenwerter Stadtkirche. Es war auch ein Tag, an dem die Ferne im feinen Nebeldunst verschleiert lag, und dieser graue Schleier über der Stadt gefiel den Buben noch weniger. Eva war ganz ärgerlich. Sie hatte erwartet, die Buben würden vergehen vor Staunen, und nun taten sie, als wäre so ein gewaltiges Denkmal ein Pappenstiel.

Auf dem Heimweg — es dämmerte noch, als sie am Hause ankamen, — trafen sie Annedore mit Herta und Irene. Mit den beiden waren Mathes und Peter noch nicht wieder zusammengekommen, und die Mädel rächten sich für Nichtbeachtung, taten hochmütig, und Herta fragte, als Eva in das Haus hineingegangen war: „Nun, ihr staunt wohl immer noch Leipzig an! Wo ward ihr denn?“

„Beim Denkmal waren sie,“ rief Annedore. „Nicht wahr, das ist fein? So schrecklich groß!“

„Noi,“ sagte Mathes geringschätzig, „so arg groß ist das doch net!“

„Unser Kirchturm ist viel, viel höher.“ Peter sah in die Luft, als erblicke er oben neben den Wolken des Kirchturms Spitze.

Dies war den beiden kleinen Leipzigerinnen aber doch zu arg. Was, diese Kleinstadtbuben wollten nicht ihr großes, berühmtes Denkmal anerkennen? Das war zu frech! Sie fingen an, wie zwei Rohrspätzlein zu schelten und zu streiten, nannten die Buben dumm und eingebildet und wer weiß noch was.

Doch Mathes und Peter blieben die Antwort nicht schuldig. Sie riefen manches Wort, das von ihrem Freunde, dem Hausknecht im Silbernen Stern, stammte. Immer heftiger wurde das Streiten. Annedore bat und schalt, sie sollten Frieden halten, aber vergebens. Die Buben zischten wie ein paar Dampfkessel, die Mädel kreischten wie die schönen bunten Papageien im Zoologischen Garten, und plötzlich rannten Mädel und Buben fuchswild auseinander. Die Gartenfreundschaft war für immer vorbei.

Annedore stand allein auf der stillen Straße. Sie weinte und dachte grollend: Die Jungen waren zu grob. Nun geh’ ich auch nicht auf den Bahnhof, wenn sie abfahren.