„Jemine, da müßt ihr euch aber eilen!“

Die Kinder lachten, und das Bäckerfräulein regte sich auf. Es gehörte nämlich zu den Menschen, die immer Angst haben, sie könnten zu spät auf die Bahn kommen. „Geht nur, geht, eilt euch! Jemine, und so allein sollt ihr fahren?“ Das Bäckerfräulein sah so ängstlich drein, daß den Kindern ihre Neckerei leid zu werden begann. Aber dann war es doch wieder sehr lustig, so auf der Löwengasse einen herzbewegenden Abschied zu nehmen, mit dem heimlichen Gedanken, wir gehen nachher in den Laden und erzählen alles.

„Sputet euch nur, sputet euch nur!“

Die Kinder rannten wirklich die Löwengasse hinab, und das Bäckerfräulein winkte und nickte ihnen noch zu, wünschte glückliche Reise, eine gute Heimkehr, und dabei wuchs der Sternbuben Reiselust noch mehr. „Wir wollen auf den Bahnhof gehen,“ riefen sie.

„Ha, fein!“ Die andern Kinder waren damit einverstanden, und alle sechs marschierten nun miteinander nach dem kleinen Bahnhof. Das war ein Spaß! Sie wurden unterwegs ein paarmal gefragt, wohin die Reise gehen sollte, und jedesmal antworteten Mathes und Peter keck: „Wir reisen nach Leipzig, jetzt gleich!“

Breitenwert hatte nur einen kleinen Bahnhof. Viele Züge hielten da nicht, und die großen Schnellzüge fuhren immer sehr hochmütig an dem Städtchen vorbei, und nur die Bummelzüge ruhten sich behaglich ein Weilchen aus, ehe sie weiterdampften. Und just als die sechs Löwengäßler auf dem Bahnhof anlangten, stand so ein gemächliches Zügle da, und seine Lokomotive pustete, als wollte sie sagen: „Kommt mit, liebe Leute, kommt, kommt!“

O die Glücklichen, die dem Ruf folgen konnten! Sehnsüchtig sahen die Kinder auf den Bahnsteig hinaus, sie wären gern alle miteinander in den Zug gestiegen, nur mal hinein und wieder hinaus!

„Macht doch, daß ihr hier wegkommt!“ brummte der Beamte an der Sperre. „Kinder haben hier nichts zu suchen.“

Oho, wenn man in sieben Tagen nach Leipzig reisen will, da kann man sich den Bahnhof doch genau ansehen! Die Sternbuben sahen aus wie der leibhaftige Widerspruch, und Peter krabbelte in seiner Hosentasche herum, vielleicht fand sich doch ein Gröschle, um eine Bahnsteigkarte zu lösen. Doch das Gröschle — es war längst ausgegeben — fand sich nicht, auch die Grills hatten kein Geld, und sie brummten auch: „Mal so raus könnte uns der Schaffner doch lassen!“

Alette Amhag sah die Sehnsucht ihrer Freunde, und sie konnte helfen. Sie hatte von ihrem Vater Geld bekommen, um ihrer Puppe ein neues Kleid zu kaufen. Doch Puppen müssen nicht so eitel sein und immer neue Kleider haben wollen, dachte sie und zog ihr Geldbeutelchen heraus. Vier Groschen waren drin und eine blanke Mark, vier Groschen — damit kamen vier Buben auf den Bahnsteig. Sie flüsterte Trinle ihren Plan zu, und obgleich Trinle auch gern hinausgegangen wäre, sagte sie doch: „Ja, die Buben sollen gehen.“