„Aber wenn sie nun immer weiter fahren?“ rief Trinle weinend.
„Dürfen sie gar nicht. In Himmelsberg werden sie aus dem Zug geholt; ich bestelle das gleich mit dem Fernsprecher! Und nun geht heim, Kinder haben auf ’nem Bahnhof nichts zu tun. Den Buben ist Strafe gesund.“
Die Mädel seufzten und weinten, weinten und seufzten, das Heimgehen ohne die Buben machte ihnen wenig Spaß. Sie beschrieben allerlei Umwege und gingen um die Löwengasse herum wie die Katzen um einen heißen Hirsebrei, sie fürchteten die Frage: Wo sind die Buben?
Diese fuhren unterdessen ein Stücklein in das Land hinein, ohne gerade viel Vergnügen von der Fahrt zu haben. Daß der Zug in Himmelsberg hielt, wußten Veit und Steffen wohl, aber wie sollten sie dort ohne Fahrkarten vom Bahnhof herunterkommen? Und Geld hatten sie alle vier nicht, um die Fahrkarten zu bezahlen, darum ahnten sie alle vier, es würde bös werden.
Es wurde auch bös. In Himmelsberg öffnete der Herr Bahnvorsteher den vieren selbst das Abteil, er ließ ein kräftiges Donnerwetter auf die vier Schelme niedersausen, und dann verlangte er Geld, viel Geld. Die vier dachten an ihre schlecht gefütterten Spartöpflein, o weh, wenn sie die bis auf den Grund leerten, so viel war nicht drin!
Was war da zu tun?
„Geht einstweilen hinaus, nachher reden wir noch zusammen.“ Des Herrn Bahnvorstehers Stimme grollte, er sah bitterböse aus, dabei war aber doch so ein heimliches Blinken in seinen Augen, daß Steffen, der es sah, ein wenig Hoffnung schöpfte. Er ging aber auch neben den andern wie ein begossenes Pudelchen durch die Sperre, trapp, trapp, und dann waren sie draußen, niemand sah nach ihnen, niemand fragte sie.
Ein Weilchen standen die vier beisammen, bis sie begriffen, daß, wenn sie jetzt recht liefen, sie in einer halben Stunde in Breitenwert sein konnten. Würde man sie nicht zurückhalten?
Kein Mensch ließ sich blicken. Der Zug fuhr fort, und da machten es die vier ihm nach, sie rannten auch fort. Fünf Minuten lang rannten sie und redeten kein Wörtchen, bis endlich Peter den Mund auftat und rief: „Ich hab’ das Täschle liegen lassen!“
Die schöne, buntgestickte Tasche fuhr mit dem Zug in die weite Welt. —