Ehe Mathes und Peter noch recht begriffen wie und was, hatte sie Hulda gepackt und zog sie nicht sehr sanft zum Waschtisch. „Jacken aus,“ befahl sie grob, und dann strählte und striegelte sie an den Buben herum, daß denen wirklich Hören und Sehen verging. Da war Mina daheim im Silbernen Stern doch freundlicher, wenn die auch mal schalt, so grob faßte sie nicht zu. Die Buben ahnten freilich nicht, wie unwillkommen Hulda ihr Besuch war. Buben konnte die nämlich kein bißchen leiden, sie behauptete es wenigstens immer, meinte, die wären alle unnütz, und seit Frau von Ringewald die Sternbübles eingeladen hatte, war Hulda immer in einer sehr unholden Laune. An diesem Tage war noch dazu das Stubenmädchen Ida krank, also mußte Hulda allein für die Gäste sorgen. Wohl wurde es denen nicht dabei, und am liebsten wären sie eiligst entwischt.
Sie folgten ganz verdattert dem Mädchen ein paar Minuten später in das Speisezimmer, in dem die Geheimrätin und Eva auf sie warteten.
Das Zimmer war groß und schön eingerichtet. Ein reich geschmückter Tisch, mit allerlei guten Sachen bestellt, stand in der Mitte. Um aber zu dem Tische zu gelangen, mußten Mathes und Peter über spiegelblanken Boden schreiten, und daran waren die Breitenwerter Buben nicht gewöhnt. Sie taten einen Schritt, noch einen Schritt, dann rutschten sie.
Mathes griff zuerst nach Huldas Rock, Peter tat es ihm nach, Hulda wehrte sich, und klatsch, saßen sie alle drei auf dem Boden, und die Teller und Gläser auf dem Tisch klirrten von dem Fall.
Die Geheimrätin sprang erschrocken auf, Eva lief zur Hilfe herbei, Hulda schimpfte gewaltig, und die Buben taten und sagten nichts, die waren viel zu verdutzt dazu.
„Ich sag’s ja, ich sag’s ja, die Bengels bringen nur Verdruß ins Haus!“ zeterte Hulda und sah die beiden so bitterböse an, daß denen himmelangst wurde. Sie dachten gerade, es wäre vielleicht am besten, unter den Tisch zu kriechen, als Eva von Ringewald sie aufhob. Die wußte mit sanften Worten lind zu trösten, und den Sternbuben kam das blonde Fräulein so holdselig wie eine schöne Märchenfee vor. Sie standen auf und gingen an ihrer Hand an den Tisch, und weil Hulda, die sich über ihr Gezeter etwas schämte, nun auch stilleschwieg, tauten die kleinen Gäste allmählich auf und gaben Bescheid auf allerlei Fragen. Freilich, ein wenig kurz gerieten die Antworten; ja und nein, mehr sagten beide nicht, aber dafür aßen sie unglaublich viel. Eva fragte mitleidig: „Ihr hattet unterwegs wohl gar nichts mit?“
„Doch, zehn Bröter!“ antwortete Mathes.
„Und viele Äpfel!“ ergänzte Peter.
„Und Schokolade!“
„Und Zuckerhimbeeren von Herrn Häferlein!“