Von ihrem Garten sollten sie erzählen! Die Sternbuben dachten nach. Am meisten ließ sich vom Lindengarten erzählen, der ein Räuberschlößle hatte, und gerade wollten sie den Garten ihrer Freunde preisen, als Hulda wieder das Zimmer betrat. Die brachte Briefe, und darüber vergaßen Mutter und Tochter den Garten und ihre Gäste, denn jedesmal, wenn Briefe kamen, schlugen ihnen die Herzen, sie dachten: Vielleicht ist einer von unserm Fritz dabei!
Auch Hulda, die schon viele Jahre im Hause war, dachte das, sie blieb darum mitten im Zimmer stehen und wartete, ob die Geheimrätin oder Eva nicht etwas sagten. Sie blickte still und fragend zu beiden hinüber, die Sternbuben aber meinten, Hulda blicke sie so unentwegt an. Das machte sie arg verlegen, und weil sie nicht recht wußten, wie sie sich helfen sollten, begannen sie ihre Mussemmeln zu essen.
Nun kümmerte sich daheim im Silbernen Stern, wo es alle immer recht eilig hatten, niemand viel darum, wie die Bübles aßen. Die pflegten daher oft von ihren Brötern erst das Mus abzuschlecken und dann das nackte Brot zu essen, wie das Gundel nannte, die oft über diese Art zu essen schalt.
Schön war es auch nicht, niemand konnte das finden. Daheim hatte Trinle Grill auch schon mal gesagt: „Ihr seid die reinen Saubarteles!“ was auch nicht schön war, aber in Breitenwert redete man halt so. Doch kein Mensch hätte dort so ein ungeheures Geschrei erhoben, wie dies Hulda plötzlich tat. Die vergaß Briefe und alles, schlug die Hände über dem Kopf zusammen und schrie wohl zwanzigmal hintereinander: „Pfui, pfui!“
Mathes und Peter erschraken heftig, und Peter klatschte sich seine Semmel vor Schreck an die Nase, und da sah er nun aus wie ein rechter kleiner Schmierfink.
Fräulein Eva, die über einem Brief ihrer liebsten Freundin die kleinen Gäste ganz vergessen hatte, sah auf und rief auch erschrocken: „Pfui!“
Dieser Ruf des lieblichen Fräuleins bekümmerte die Buben sehr. Mathes stopfte vor Schreck seine Semmel in seine Tasse, schwapp! lief die über; Peter wollte dem Bruder helfen, dabei riß er seine eigene Tasse um, und über den zierlich gedeckten Tisch rann ein braunes Flüßlein.
„Sagt’ ich’s nicht, von denen kommt nur Ärger?“ kreischte Hulda. „Auf, marsch, raus, ihr Schmierfinken, ihr!“
„Halt!“ Frau von Ringewald legte sacht ihre Hand auf die Huldas, die eben mit hartem Griff Mathes von seinem Stuhle herabzerren wollte. „Mit Gästen geht man sanfter um, Hulda, und mit Kindern hat man Geduld.“ Über das feine, traurige Gesicht der Geheimrätin lief ein Lächeln, als sie den Buben die beschmierten, erschrockenen Gesichter streichelte. „Jetzt geht mit Eva, die wird euch waschen,“ sagte sie tröstend.
Hulda schwieg muckstill, und Eva stand rasch auf, nahm die Buben an die Hand und führte sie in das Schlafzimmer zurück. Sie dachte dabei, wie gut doch Mutter ist, und so gut war sie auch immer gegen den wilden Bruder. Ist’s möglich, kann der eine so gute Mutter wirklich vergessen?