Fünftes Kapitel.
Verloren und wiedergefunden.
Manchmal ist doch so eine elektrische Bahn recht boshaft. Da klingelt sie freundlich und einladend, tut, als würde sie warten und jeden mitnehmen, und wenn dann einer denkt: Ha, die erreiche ich noch! dann — schwuppdiwupp! saust sie ihm an der Nase vorbei.
Genau so erging es Fräulein Eva, Mathes und Peter an diesem Morgen mit der bösen Elektrischen. Nun war das ja nicht weiter schlimm, denn sie hatten alle drei keine Eile. Fräulein Eva wollte auch gerade sagen: „Die nächste Bahn kommt bald,“ als sie die beiden Buben heidi! dem Wagen nachrennen sah.
„So dumm!“ dachte Eva und rief, aber den Buben schienen die Ohren zugemauert zu sein, und es blieb ihr nichts weiter übrig, als den Ausreißern nachzurennen; die konnten ja in der wildfremden Stadt wer weiß wohin laufen! So rasten denn alle drei eine Weile die lange, stille Straße entlang, und da die Sternbübles flinke Beine hatten, hätte Eva sie sicher nicht erreicht, wenn ein daherkommender Mann die beiden nicht festgehalten hätte. Und der ließ nicht los, soviel die beiden sich auch wehrten, strampelten und zappelten. Als Eva herankam, rief er ihr entgegen: „Ich hab’ sie. Na, die haben wohl was Nettes ausgefressen?“
Eva, die ganz atemlos war, erzählte, der Mann lachte über die dummen Kleinstadtbuben, und die schämten sich entsetzlich. Und just da sauste ihnen allen eine zweite Bahn an den Nasen vorbei.
„Seht ihr, wäret ihr stehengeblieben!“ Der Mann sagte es, und Fräulein Eva sagte es, und Mathes und Peter senkten reumütig die Nasen, und dazu ärgerten sie sich gewaltig, denn der Fremde sagte noch, ehe er sie losließ: „Mit denen nehmen Sie sich nur in acht, Fräulein! Die sehen aus, als machten sie an jedem Tag drei dumme Streiche und am Sonntag sechs!“
O, wie nur jemand so reden kann!
Die Buben waren tiefgekränkt, und ganz still stiegen sie, als nun endlich wieder eine Bahn kam, hinein und saßen feierlich und steif auf ihren Plätzen.
Ein bißchen wirbelig wurde ihnen dabei zumute. Die Bahn fuhr durch viele, viele Straßen, und alle hatten sie hohe Häuser; wie die Löwengasse daheim sah keine Straße aus.
Endlich stiegen sie aus. Auf einem freien Platz war es, der ein wenig einem Ameisenhaufen glich, so viele Menschen liefen da hin und her, Wagen rollten, die Schaffner der Bahnen klingelten, und die Buben wußten gar nicht, wohin zuerst schauen.