„Ba—dehösle?“ Nun schaute Fräulein Eva aber verdutzt drein. Sie schüttelte den Kopf, sah die Buben an, sah nach dem Museum hinüber, und da ging ihr auf einmal ein Lichtlein auf. Die springenden Wasser glitzerten in der Sonne, und sie ahnte die Verwechslung. „O ihr Dummerles!“ rief sie. „Ihr denkt wohl, der Brunnen ist das Museum, und wir wollen zusammen in den Brunnen steigen?“

Weil Fräulein Eva lachte, lachten die Bübles auch; sie taten es sehr herzhaft und laut, und ein paar Vorübergehende lachten mit. Unter ihnen war auch ein junger Mann, sehr einfach, fast ärmlich gekleidet. Der blieb plötzlich stehen und sah unverwandt zu dem fröhlichen Mädchen und ihren kleinen Begleitern hinüber. Und als die nun in die Grimmaische Straße einbogen, die den Augustusplatz mit dem Marktplatz verbindet, folgte er den dreien.

Eva von Ringewald wollte den Buben nun doch erklären, was eigentlich ein Museum sei, aber sie konnte viel reden, die beiden hörten nicht. Die sahen sich nur immerfort um. War das ein Getriebe in der ziemlich engen Straße! Den Sternbübles war es zumute, als wären sie in ein buntes Geschichtenbuch hineinspaziert, und weil man sich in Geschichten laut und nachdrücklich verwundern kann, verwunderten sie sich auch sehr laut. Einmal schrie Mathes: „Peter, guck!“ Dann schrie Peter: „Mathes, guck!“ Und dann zeigten sie mit den Fingern, klebten beinahe vor Schaufenstern fest, drückten sich die Nasen an den Spiegelscheiben platt, rannten die Vorübergehenden an, ließen sich selber ein paarmal umrennen, und sie wären gewiß noch auf den Fahrdamm gepurzelt, wenn Fräulein Eva sie nicht fest bei den Händen genommen hätte. Es war freilich schwer, in dem Straßengewühl zu dreien zu gehen, und manch ein Vorübergehender schalt über das Breitmachen. Aber schließlich kamen doch alle drei auf dem Marktplatz an, wo es freier war. Hier blieb Eva aufatmend stehen, und sie wollte eben ihren Schützlingen das Rathaus zeigen, als jemand ihren Namen rief.

Eine Freundin war es, die ihr nachgelaufen kam. Die wollte sich gleich die Breitenwerter Gäste ansehen. Das hübsche, lustige Mädchen redete freundlich zu Mathes und Peter, doch die waren von all dem Neuen, das sie sahen, so verwirrt, daß sie nur karge Antworten gaben.

„Seht euch ein bißchen um!“ rief Eva von Ringewald, die gern mit ihrer Freundin etwas bereden wollte. Die beiden Mädchen schwatzten zusammen, und die Sternbübles standen auf dem Marktplatz von Leipzig und sahen sich um. Der Platz war sehenswert, und an dem Rathaus konnte einer schon seine besondere Freude haben. Aber schöne Häuser waren den Buben noch recht gleichgültig, die sahen ganz andere Dinge. Die vielen Gefährte aller Art gefielen ihnen vor allem, und dann geschah auf einmal etwas ganz Wunderbares. Eine der vielen Straßen entlang, die alle auf den Marktplatz einmündeten, kam jemand anspaziert, den Mathes und Peter bislang nur aus Bilderbüchern kannten.

Ein Neger war es, einer, der dunkelbraun aussah wie ein Schokoladenplätzchen.

Die Buben kreischten laut vor Verwunderung. Eva von Ringewald hörte es, aber ihre Gedanken waren bei dem, was die Freundin ihr erzählte, und da sagte sie nur: „Seid doch still, man schreit hier nicht auf der Straße!“

Patsch! waren die Bübles still, merkwürdig still sogar.

Eva hörte kein Wörtlein mehr von ihnen, und darum vergaß sie die beiden über dem lebhaften Geplauder mit der Freundin ganz und gar. Leider aber vergaßen Mathes und Peter ihre Beschützerin auch. Schon ihr Gebot, stille zu sein, hatten sie kaum noch gehört, sie dachten nur an den Neger und sahen nur den.

Dieser, der eine rote Mütze und dunkelblaue Jacke trug, war sonst auf dem großen Meßplatz Türsteher bei einer Schaubude. Vormittags aber war es in Leipzig auf dem Meßplatz meist sehr stille, also konnten Schaubudenleute auch mal spazierengehen. Weil nun in Leipzig im Frühling und Herbst alljährlich Messe war, erstaunten die Leute nicht sonderlich, wenn Meßleute durch die Stadt gingen. Ein Neger schien niemand etwas Besonderes zu sein, niemand riß darum den Mund so sperrangelweit auf, wie es die Sternbübles taten.