Als der Neger in eine Seitenstraße einbog, hatten sie nur den einen Wunsch, ihm nachzulaufen. Das taten sie auch. Sie fragten nichts und sagten nichts, sie rannten einfach spornstreichs hinter dem Schwarzen einher, rannten, bis sie neben ihm waren und ihm recht genau ins Gesicht starren konnten.

Der gute Neger nun war das Anstaunen gewöhnt, die beiden Buben aber, die so trapp trapp neben ihm herliefen, wurden ihm doch lästig. Er rollte seine Augen, zeigte seine weißen Zähne und rief auf einmal mit rauher Stimme: „Fort, ich fresse euch!“

Die Vorübergehenden lachten, aber Mathes und Peter erschraken ungeheuer; sie schrieen laut auf und wichen entsetzt zurück. Ein paar Leute blieben lachend stehen, auch der Neger lachte, aber alles das sahen Mathes und Peter nicht mehr, die rissen einfach aus.

Heidi, husch! ging es die Straße entlang. Einer lief hinter dem andern her, aber statt zurück rannten sie vorwärts, sie kamen an eine Querstraße, liefen die entlang und wären wohl noch wer weiß wohin gelaufen, wenn sie nicht über eine Kiste, die ein Fuhrmann vor einem Torweg ablud, gestolpert wären.

„Himmeldonnerwetter! Nä, ihr Bengels, gennt ihr denn niche sähen!“ schalt der. „’ne Kiste ist doch nich ’n Wassertroppen, den man nich sieht!“

Da kamen die beiden zur Besinnung. An ihren Knieen spürten sie es, daß die Kiste wirklich kein Wassertropfen war; braun und blau hatten sie sich geschlagen. Sie sahen sich verwirrt an und sahen sich ebenso verwirrt um. Wo waren sie eigentlich, und wo war Fräulein Eva?

Der Neger war verschwunden. Kein Mensch ringsum bedrohte die beiden, nur der Fuhrmann, der sich noch immer mit seiner schweren Kiste abmühte, brummte weiter. Als er aber die tieferschrockenen Gesichter der beiden sah, fragte er gutmütig: „Nä, warum seid er denn erst gerannt wie ’n baar Bürstenbinder und steht nu da wie ’n baar Esel im Tanzsaal?“

„Der — der Mohr wollte uns fressen!“ stotterte Mathes, und Peter redete ihm nach: „Ja, er wollte uns fressen!“

„Herrjeses!“ Der Fuhrmann lachte dröhnend auf. „Nä, so was! Bei uns da laufen doch die Menschenfresser nich auf der Straße herum! Hört mal, ihr seid wohl nich aus Leipzig, wo seid ihr denn her?“

Weil der Mann so herzhaft lachte und so gutmütig dreinsah, faßten die Sternbuben Zutrauen zu ihm; sie drängten sich an ihn heran und fingen an, ihm ihr Abenteuer zu erzählen. Leider erzählten sie etwas durcheinander, und der Fuhrmann wußte nicht recht, wie er Fräulein Eva von Ringewald und den Neger zusammenbringen sollte, auch verstand er nicht, warum Peter immer versicherte, Hulda würde böse werden.