Endlich kam dem Mann ein Gedanke; er fragte: „Die sind wohl alle von der Messe, und ihr gehört wohl auch dahin?“

Nun hatten die Buben wieder keine Ahnung, was eigentlich die Messe war, und sie starrten den Frager mit offenem Munde an. Der tippte mit dem Finger an seine Stirn und brummelte: „Da rappelt’s wohl? Geht mal lieber heim zur Mutter!“

„Das ist zu weit,“ schrieen alle beide erschrocken, und Peter fügte klagend hinzu: „Wir sind doch auf Besuch, und Fräulein Eva ist doch mit uns spazierengegangen!“

„So so, spazierengehen nennt ihr das, wenn ihr auf meiner Kiste rumtrampelt! Na nu, wo ist denn Freilein Eva?“

Da kam Mathes ein Gedanke. „Auf dem Marktplatz steht sie,“ schrie er aus Leibeskräften, als wäre der Fuhrmann ganz taub.

Der schrak ordentlich zusammen. „Nä, ihr Schafsköppe,“ murrte er endlich, „wenn die da steht und ihr hier seid, dann geht ihr doch nich spazieren! Nach dem Marktplatz ist das schon ’n Stück. Da geht mal die Straße immer geradeaus und dann links und wieder immer geradeaus, un am besten ist, ihr fragt noch dreimal, denn sonst rennt ihr gar noch auf den Thomasturm. Und dann sagt Freilein Eva ’nen scheenen Gruß, un ihr wäret viel zu dämlich, um alleine zu laufen.“

Nach dieser überaus freundlichen Abschiedsrede schob der Fuhrmann seine Kiste in den Hausflur, und Mathes und Peter rannten sehr eilfertig davon. Furchtbar nett fanden sie den Fuhrmann freilich nicht, aber er hatte ihnen doch wenigstens den Weg gesagt. —

Eva von Ringewald hatte bald das Verschwinden ihrer Schützlinge gemerkt. Die Freundin nahm Abschied, und sie sah sich nach den beiden um. Aber alles Umsehen half nichts; von den Buben war kein Zipfelchen zu sehen. Sie lief die Straße zurück, durch die sie mit den beiden gekommen war, denn dort hatte ein Spielwarenladen die beiden arg gelockt. Aber vor dem standen fremde Kinder, die beiden waren nicht dabei.

Eva fragte ängstlich einen Schutzmann; der hatte die Buben nicht gesehen. Nun rannte sie in eine andere Straße hinein, fragte dort wieder einen Schutzmann. Doch der wußte auch nichts von den Verschwundenen.

Da kehrte sie zum Marktplatz zurück, lief auf und ab in immer wachsender Angst, bis ihr endlich der Gedanke kam, die beiden könnten vielleicht heimgelaufen sein. So recht glaubte sie es zwar nicht, aber wenn jemand in rechter Herzensangst ist, klammert er sich an die kleinste Hoffnung. So erging es Eva von Ringewald an diesem Morgen. Sie setzte sich in einen Wagen und fuhr heim, und trotzdem immerzu in ihrem Herzen eine Stimme redete: Sie sind nicht da, können nicht den Weg gefunden haben, sagte sie immer wieder zu sich selbst: Gewiß sitzen sie zu Hause, sicher ist es so.