„Aber viel war’s net.“ Peter hielt es für besser, das gleich zu sagen, denn satt war er noch lange nicht.
Weder Fräulein Eva noch Hulda aber waren mit dieser Auskunft zufrieden. Sie fragten zugleich dies und das, bis Frau von Ringewald sagte: „Ihr macht die Kinder ja ganz verwirrt, laßt sie einmal erzählen!“
Da kam es denn heraus, daß Mathes und Peter wirklich den Marktplatz wiedergefunden hatten. Freilich, fragen hatten sie oft müssen, aber dann hatten sie auf dem Marktplatz Eva nicht mehr gesehen. Sie hatten gewartet und gewartet und schließlich angefangen zu weinen. Da war ein Mann gekommen, der hatte sie nach ihrem Kummer gefragt und gleich gesagt, als sie nur Evas Namen nannten: „Ach, Eva von Ringewald! Wo die wohnt, weiß ich, kommt nur mit!“ Er hatte die Buben durch viele Straßen geführt und ihnen unterwegs, als sie arg über Hunger geklagt, in einem Bäckerladen ein Stück Kuchen gekauft. Am Anfang der Straße hier hatte er dann plötzlich gesagt, er müßte gehen, Nummer 14 wohnten Ringwalds, sie könnten nun nicht mehr fehlgehen.
„Wer mag das wohl gewesen sein?“ Mutter und Tochter sahen sich erstaunt an, und beide forschten: „Wie sah der Mann denn aus?“
„Wie ’n Herr!“ behauptete Mathes.
„Net wie ’n Herr!“ widersprach Peter.
Und mehr wußten die Buben von dem unbekannten Helfer nicht zu sagen. Nur von seiner Freundlichkeit erzählten sie, und daß er sie bereits auf dem Augustusplatz gesehen hätte, als sie den Springbrunnen anschauten, den sie für das Museum hielten.
Ein bißchen rätselhaft war die Sache, aber schließlich waren alle im Hause nur froh, die Buben wieder zu haben, und diese waren froh, als Hulda vom Mittagessen redete, denn sie hatten gewaltigen Hunger. Und da Ida aufgepaßt hatte und alles gut geraten war, gab es ein vergnügtes Mahl. Es focht die Buben auch nicht weiter an, daß Frau von Ringewald erklärte, heute wären sie lange genug draußen gewesen, nachmittags müßten sie in ihrem Zimmer spielen. Sie begriffen dies nicht recht, denn in Breitenwert waren sie oft den ganzen langen Tag draußen, und niemand redete davon, es wäre zu viel. Aber in der großen Stadt war dies wohl anders, und schließlich war der Spielschrank verlockender als der winzige Garten und die fremde Straße mit den hohen Häusern. Mathes und Peter sagten darum sehr eifrig, sie blieben gern daheim, und als Eva sie ermahnte, ein paar Zeilen müßten sie auch an die Mutter schreiben, erklärten sie: „Wir schreiben ein Briefle, wir haben’s versprochen.“
Und dann zogen sie nach Tisch vergnügt und froh und sehr tatenlustig in ihr helles Zimmer, und selbst Hulda redete hinter ihnen her: „Wenn man’s recht ansieht, so schlimm sind se nicht, nur eben Jungen; man ist da nie sicher, was rauskommt. Wenn das halbe Spielzeug entzwei geht, mich soll’s nicht wundern.“